Waldgries

📍 St. Magdalena/Bozen · Gegründet 1242 · Familienbetrieb

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Geschichte und Familie

Der Ansitz Waldgries zählt zu den ältesten Weinhöfen in und um Bozen — 1242 wurde er erstmals urkundlich erwähnt, als ein gewisser Roblinus de' Waldgries den Besitz hielt. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wechselte der Ansitz vierzehnmal den Eigentümer. Lange Zeit gehörte er dem Tiroler Nonnenkloster St. Klara zu Hall, das den Weinbau an den steilen Hängen von St. Magdalena fortführte. Um 1930 erwarb Heinrich Plattner — Christians Großvater — den historischen Ansitz und gründete das heutige Familienweingut.

Der Großvater war ein Pionier: Er war einer der ersten Winzer in St. Magdalena, der an das Potenzial der Rebsorte Lagrein als eigenständigen, kräftigen Rotwein glaubte — zu einer Zeit, als Lagrein üblicherweise nur als Cuvée-Partner im St. Magdalener oder als Kretzer (Rosé) ausgebaut wurde. Als er den Ansitz erwarb, hing im alten Gemäuer bereits das Porträt einer rätselhaften jungen Frau — reich gekleidet, mit Schmuck, gemalt in der gleichen Technik wie die Mona Lisa: Egal wo man steht, sie scheint einen anzuschauen. Wer sie ist, konnte bis heute niemand klären. Sie wurde zur stillen Beschützerin des Ansitzes und gab später dem Wein Mirell seinen Namen.

Sein Sohn Heinrich setzte das Erbe fort: 1972 begann er, den Wein auf die Flasche zu füllen statt ihn fassweise zu verkaufen, und kelterte 1985 die erste Lagrein Riserva aus alten Reben — ein Novum für St. Magdalena. Als der junge Christian gerade 18 Jahre alt war, fiel sein Vater durch einen Unfall aus. Christian übernahm den Betrieb und kelterte seinen ersten Jahrgang in Eigenverantwortung. Nach der Winzerausbildung in Bad Kreuznach zog es ihn ins Friaul, zu Josko Gravner — einem der kompromisslosesten Winzer Italiens, der nach eigenem Gewissen arbeitete und Trends wie Massengeschmack ablehnte. Diese Zeit wurde zum Wendepunkt: Zurück in Südtirol stellte Christian seine gesamte Anbaupraxis in Frage. Er rodete Cabernet Sauvignon und Merlot — Sorten, die überall auf der Welt wachsen — und bepflanzte die frei gewordenen Flächen ausschließlich mit dem, was für ihn Südtirol ausmacht: Vernatsch, Lagrein und Rosenmuskateller.

Heute führt Christian Plattner den Ansitz in der dritten Generation. Fast 800 Jahre nach Roblinus setzt er dessen Werk fort — Weine zu machen und den Ansitz zu bewahren. „Tradition soll letztlich vor allem eines garantieren: Beständigkeit und Zuverlässigkeit — über Generationen hinweg."

Weingüter und Lagen

Insgesamt bewirtschaftet Christian Plattner rund 7,2 Hektar Rebfläche in drei unterschiedlichen Anbaugebieten. Das Herzstück bilden die steilen Hanglagen direkt am Ansitz in St. Magdalena (ca. 5,5 ha): Südost- bis Südwest-Exposition auf 250 Metern Höhe, gut durchlüftete und wärmespeichernde Moränenschuttböden aus Porphyr- und Dolomitgestein. Das Mikroklima ist außergewöhnlich mediterran — zwischen den Rebzeilen gedeihen Palmen, Oliven-, Feigen- und Zypressenbäume, Oleander und Rosmarin. Im historischen Innenhof des Ansitzes steht eine große Zypresse, in deren Schatten „der Trubel der nahen Stadt Bozen zu verschwinden scheint."

In Gries westlich von Bozen liegt der älteste Lagrein-Weinberg der Familie — noch vom Großvater angelegt. Er bringt Fülle und Dichte. In Auer (Lage Furggl) am südlichen Ende des Etschtals kommen Struktur und Kraft hinzu; die Schwemmböden dort ergänzen die Porphyrlagen von St. Magdalena ideal. Auf dem Eppaner Berg schließlich, wo das Klima kühler und die Höhenlage ausgeprägter ist, wachsen Sauvignon Blanc und Weißburgunder — Christians einziges Zugeständnis an nicht-autochthone Rebsorten bei den Weißweinen. Die Top-Cru-Lage am Ansitz trägt den Namen „Kirschleiten": Hier stehen die ältesten Rebstöcke, aus denen das Flaggschiff Roblinus entsteht.

Weinbau und Keller

„Ich mache meine Weine nicht. Meine Weine sollen werden." — Christians Philosophie ist geprägt von Zurückhaltung und Respekt. Er versteht sich als Begleiter, der die Weine auf ihrem Weg sanft unterstützt, statt sie zu formen. Jede Flasche entsteht nach persönlichem Geschmack, nicht nach Markttrends — eine Haltung, die direkt auf Josko Gravner zurückgeht.

Der Fokus liegt konsequent auf autochthonen Rotweinsorten: Vernatsch, Lagrein und Rosenmuskateller. Internationale Sorten hat Christian restlos gerodet. Beim Lagrein arbeitet er mit langen Maischestandzeiten — beim Roblinus bis zu fünf Wochen —, verzichtet teilweise auf das Entrappen und setzt auf natürliche Gärung in großen Bottichen. Die Reife erfolgt je nach Wein in großen Holzfässern, Barriques oder einer Kombination aus beidem. Der historische Keller in sieben Metern Tiefe unter dem Ansitz ist über alte Steintreppen erreichbar — hier herrschen konstante 12–14 °C, ideale Bedingungen für die langsame Reifung. Der Roblinus verbringt hier drei Jahre, bevor er in den Verkauf kommt; der Mirell ein Jahr im Barrique plus 18 Monate Flaschenreife.

Das Lagrein-Portfolio ist mit vier Weinen eines der stärksten Südtirols — vom Einstiegs-Lagrein aus drei Lagen über die Riserva (seit 1985) und den Mirell (seit 1999, Falstaff 95) bis zum Flaggschiff Roblinus de' Waldgries (seit 2011, Falstaff 96). Mirell wie Roblinus werden nur in ausgewählten Jahrgängen produziert. Ein besonderes Kapitel ist der St. Magdalener Classico Antheos: 2009 pfropfte Christian acht verschiedene, teils fast ausgestorbene Vernatsch-Spielarten auf bestehende Unterlagsreben in der Lage Hohe Leiten — eine Wiederbelebung des gemischten Rebsatzes, wie ihn sein Urgroßvater noch kannte.

Produktion und Vertrieb

Aus den 7,2 Hektar entstehen vier Lagrein-Weine, St. Magdalener (inklusive Antheos und der Lage „Vom Kreuz"), Sauvignon Blanc (darunter die Riserva Sàcalis: Gambero Rosso Tre Bicchieri), Weißburgunder (Riserva Itos: ebenfalls Tre Bicchieri) und Rosenmuskateller. Verkauf ab Hof in St. Magdalena, über das Meraner Weinhaus, Pur Südtirol und internationale Händler (DE: viDeli, ThalerWine, Weinzeche; CH: Secli Weinwelt; USA: Bottle of Italy). Mitglied der Freien Weinbauern Südtirol (FWS).

Wer den Ansitz besucht, betritt eine Welt für sich: Der Weinweg „Zeit in Waldgries" — ein rund 600 Meter langer Rundweg durch die Rebzeilen — verbindet Natur, Wein und Kunst. Individuell gestaltete Skulpturen des Südtiroler Bildhauers Filip Moroder Doss säumen den Weg; Infotafeln vermitteln Weinwissen; eine Aussichtsplattform bietet einen Panoramablick über den Ansitz, die Weinberge und ganz Bozen. „Das Schönste für mich ist es, den Menschen mit meinen Weinen genussvolle Momente zu bescheren."

🍷 Lagrein-Weine (4)

Lagrein Roblinus de' Waldgries

Lagrein classico € 95,50 / 0,75 l (2021, ThalerWine)€ 105,80 / 0,75 l (2022, Meraner Weinhaus)

Benannt nach dem ersten urkundlich erwähnten Besitzer des Ansitzes: **Roblinus de' Waldgries** (1242). Christian Plattner wollte das Maximale aus der Rebsorte Lagrein herausholen — dafür kam nur die Top-Cru-Lage **„Kirschleiten"** mit ihren alten Rebstöcken direkt am Ansitz in Frage. Die Maischestan...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: Barriques; Maischestandzeit bis zu 5 Wochen, teilweise nicht entrappt; 3 Jahre Reife vor Verkauf
Lage: Top-Cru-Lage Kirschleiten, St. Magdalena, Südost- bis Südwest-Hanglagen, 250 m
Trinktemperatur: 18 °C
Passt zu: Meditationswein

Lagrein Mirell

Lagrein classico € 43,50 / 0,75 l (2022, ThalerWine)€ 45,60 / 0,75 l (2022, Meraner Weinhaus)

Das Etikett ziert eine **rätselhafte Frau** — ein Porträt, das bereits im alten Gemäuer hing, als Christians Großvater den Ansitz erwarb. Wer sie ist, bleibt ein Geheimnis. Der Mirell entstand **1999** aus einem Versuch, mit **Minimalerträgen** zu arbeiten — Trauben von Reben, die **über 40 Jahre**...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: Barriques (12 Monate) + 18 Monate Flasche; Maischestandzeit bis 35 Tage in großen Bottichen; 10 % spätreif gelesen, teilweise nicht entrappt
Lage: 2/3 St. Magdalena (Konzentration, Eleganz) + 1/3 Auer (Struktur, Kraft)
Trinktemperatur: 18 °C
Passt zu: Geschmortes und gebratenes dunkles Fleisch, Wildfleisch (Hirsch), würziger Hartkäse

Lagrein Riserva

Lagrein riserva € 25,50 / 0,75 l (2023, ThalerWine)€ 26,55 / 0,75 l (2023, Meraner Weinhaus)

Christians Großvater war einer der ersten Winzer in St. Magdalena, der an das Potenzial der Rebsorte Lagrein glaubte. Früher war es weder üblich, einen ganzen Weinberg mit Lagrein zu bepflanzen, noch ihn sortenrein als kräftigen Rotwein auszubauen. Christians Vater **Heinrich** ging **1985** den näc...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: 1/3 großes Holzfass + 2/3 Barriques, 12 Monate; Maischestandzeit bis 35 Tage in großen Bottichen; 10 % ganze, nicht entrappte Trauben
Lage: Gries/Bozen (Fülle, Dichte) + Furggl/Auer (Struktur, Kraft)
Trinktemperatur: 18 °C
Passt zu: Geschmortes und gebratenes dunkles Fleisch, Wild (Hirsch), würziger Hartkäse

Lagrein

Lagrein classico € 16,50 / 0,75 l (2025, ThalerWine)€ 17,10 / 0,75 l (2025, Meraner Weinhaus)

Der Einstiegs-Lagrein — Christians „Willkommenslagrein". Die Trauben stammen aus **drei Lagen**, die alle für einen Teil der Geschichte des Ansitzes stehen: Die eine liegt in **Gries** westlich von Bozen (der erste Weinberg des Großvaters), die zweite in **Auer** südlich von Bozen (von Heinrich Plat...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: Großes Holzfass + gebrauchte Barriques, 8 Monate; 50 % ganze, nicht entrappte Trauben; 20–30 % mit Stielen vergoren
Lage: 3 Weinberge: Gries (Bozen), Auer, am Ansitz (St. Magdalena); Südost- bis Südwest-Hanglagen, 250 m
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Geschmortes und gebratenes Fleisch, Wild, pikanter Käse

Besonderheiten

  • **4 Lagrein-Weine** im Sortiment — eines der stärksten Lagrein-Portfolios Südtirols
  • Erstmals **1242** urkundlich erwähnt (einer der ältesten Weinhöfe in und um Bozen)
  • **14 verschiedene Besitzer** über die Jahrhunderte — darunter lange im Besitz des Nonnenklosters **St. Klara zu Hall**; seit ca. 1930 bei der Familie Plattner
  • Konsequenter Fokus auf **autochthone Rotweinsorten** (Vernatsch, Lagrein, Rosenmuskateller) — alle internationalen Sorten gerodet nach Praxiserfahrung bei **Josko Gravner** (Friaul)
  • Christians Großvater war einer der ersten, der in St. Magdalena an das Potenzial der Rebsorte Lagrein als sortenreinen Rotwein glaubte
  • Heinrich Plattner begann **1972** den Wein auf die Flasche zu füllen; erste Riserva **1985**
  • Christian übernahm mit **18 Jahren** nach Unfall des Vaters; kelterte seinen ersten Jahrgang in Eigenverantwortung
  • **Antheos**: 2009 gepfropfter gemischter Satz aus **8 historischen Vernatsch-Spielarten** — Wiederbelebung der Tradition des Urgroßvaters (erster Jahrgang 2010)
  • **Rätselhaftes Mirell-Porträt** im Ansitz — Frau unbekannter Identität, gemalt in der Technik der Mona Lisa (Blick folgt dem Betrachter); hing bereits im Gemäuer, als der Großvater den Ansitz erwarb
  • Historischer **Keller in sieben Metern Tiefe**, erreichbar über alte Steintreppen; konstante 12–14 °C
  • **Weinweg „Zeit in Waldgries"** (ca. 600 m): ganzjährig geöffnet, frei zugänglich; Skulpturen von **Filip Moroder Doss**, Infotafeln, Aussichtsplattform mit Panoramablick über Bozen
  • 3 Anbaugebiete: St. Magdalena (5,5 ha, Rotweine), Gries/Auer (Lagrein), Eppaner Berg (Weißweine); Top-Cru-Lage **Kirschleiten** für den Roblinus
  • Mediterranes Mikroklima: Palmen, Oliven-, Feigen- und Zypressenbäume im Innenhof und zwischen den Reben
  • Mitglied der **Freien Weinbauern Südtirol (FWS)**

Kontakt

Adresse
St. Justina 2, 39100 Bozen

Steckbrief

Rebfläche
7,2 ha
Kellermeister
Christian Plattner
Gegründet
1242
Besuch
Möglich ✓

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