Weingut | Genossenschaft
Geschichte und Familie
Die Geschichte von Wilhelm Walch beginnt mit einem unternehmerischen Neuanfang. 1869 zog der Vorarlberger Wilhelm Walch — bis dahin Gastwirt und Schnapsbrenner — mit seinen fünf erwachsenen Kindern ins nahegelegene Südtirol, nachdem ihm die Behörden eine Erweiterungslizenz für seinen Betrieb verweigert hatten. In Tramin erwarb er ein ehemaliges Jesuitenkloster, dessen Mauern bereits rund 250 Jahre alt waren und in denen schon die Mönche Wein bereitet hatten. Mit bemerkenswertem Geschick kaufte Walch Weinberge in den besten Lagen rund um Tramin und Kaltern und baute den Betrieb innerhalb kürzester Zeit zu einem der größten privaten Weingüter Südtirols auf.
Seither ist das Weingut ununterbrochen in Familienhand. Die vierte Generation verkörpert Werner Walch, der heute die operative Leitung innehat. Ein prägendes Kapitel der jüngeren Firmengeschichte begann 1983, als Werner die junge Mailänder Architektin Elena beauftragte, das Castel Ringberg in Kaltern — ein Renaissance-Schlösschen der Habsburger aus dem Jahr 1620 im Besitz der Familie — zu restaurieren. Bei der Arbeit verliebten sie sich; 1985 heirateten sie. Elena begann Ende der Achtzigerjahre, unter eigenem Namen Wein zu erzeugen, und baute die Marke Elena Walch zu einem international gefeierten Weingut auf. So entstanden unter einem Dach in Tramin zwei eigenständige Betriebe: Wilhelm Walch für die klassische Tradition und Elena Walch für die Einzellagen-Philosophie und Innovation — getrennt geführt, aber verbunden durch Familie und Standort.
Die fünfte Generation steht bereit: Die Töchter Julia und Karoline Walch, ausgebildet in Burgund, Bordeaux und im australischen Adelaide, übernahmen ab 2013 schrittweise die Verantwortung. Im Keller vertrauen sie auf den langjährigen Kellermeister Gianfranco Faustin. Die Familie Walch — „drei starke Frauen plus ein Wilhelm im Hintergrund", wie es in der Branche heißt — hat die Entwicklung der Südtiroler Weinkultur über mehr als 150 Jahre entscheidend mitgeprägt.
Weingüter und Lagen
Das Weingut Wilhelm Walch bewirtschaftet 8 Hektar familieneigene Weinberge in den Spitzengemeinden Tramin, Kaltern und Kurtatsch. Ergänzt werden die eigenen Flächen durch rund 100 Vertragswinzer, die zum Teil seit Generationen mit dem Haus verbunden sind und ihre Trauben nach strengen Qualitätsvorgaben liefern.
Die Weinberge erstrecken sich entlang des Mendelrückens auf einer Höhe von 250 bis 700 Metern über dem Meeresspiegel — in größtenteils extrem steilen Lagen, die ausschließlich Handarbeit erlauben. Die Böden sind vom Dolomitgestein geprägt: vorwiegend kalkhaltig, durchsetzt mit sandigen und lehmigen Anteilen, die den Weinen Struktur und mineralische Tiefe verleihen. Das Zusammenspiel von frischer Alpenluft, mediterranem Klima und intensiver Sonneneinstrahlung sorgt für kühle Nachttemperaturen und warme Sommertage — ideale Bedingungen für die langsame, aromatische Reife der Trauben.
Das Zentrum des Betriebs bildet das historische Jesuitenkloster in Tramin, dessen Gewölbekeller seit über 400 Jahren der Weinbereitung dienen. Im Laufe seiner Geschichte wurde das Anwesen durch moderne Betriebsgebäude erweitert, ohne seinen historischen Charakter zu verlieren. Unter dem gleichen Dach befinden sich auch die Einrichtungen des Schwesterweinguts Elena Walch, dessen Einzellagen — insbesondere die rund 20 Hektar große Vigna Castel Ringberg in Kaltern (300–400 m, moränische Kalkböden) und die Vigna Kastelaz in Tramin — zu den renommiertesten Südtirols zählen.
Weinbau und Keller
Die Philosophie von Wilhelm Walch lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Klassische Weine in modernem, geradlinigem Stil. Im Zentrum steht die Typizität Südtirols und seiner Rebsorten — keine Experimente, sondern die Perfektion des Bewährten. Während Elena Walch auf Einzellagen, Selektion und Innovation setzt, pflegt Wilhelm Walch bewusst die Tradition und die jahrzehntelange Partnerschaft mit denselben Traubenlieferanten.
Die Weinberge werden nachhaltig nach den Richtlinien des umweltschonenden Weinbaus bearbeitet. Die kompromisslose Arbeit im Weinberg — manuelle Bearbeitung und schonende Handlese — bringt Weine von präziser Sortenstilistik hervor. Im Betrieb verzichtet man auf Herbizide und arbeitet naturnah mit Leguminosen zur Humusproduktion, Tropfbewässerung und der Verwirrungstechnik gegen Traubenwickler.
2015 wurde ein moderner Schwerkraft-Gärkeller in Betrieb genommen — mit konischen Edelstahltanks und hochsensibler Traubenverarbeitung, die insbesondere bei der Rotweinqualität durch die Verarbeitung ganzer Beeren einen Qualitätssprung ermöglichte. Die Weißweine entstehen in temperaturkontrollierten Edelstahltanks, die ihre frische, fruchtbetonte Aromatik bewahren. Die Rotweine — allen voran der Lagrein — reifen in den historischen Gewölbekellern des Klosters: in großen handgeschnitzten Eichenfässern, die als Kunstwerke gelten und die jahrhundertealte Verbindung der Familie zum Wein bezeugen. Für den Lagrein wird zusätzlich ein 20-hl-Allier-Eichenfass eingesetzt, das dem Wein feine Holznoten und Komplexität verleiht.
Produktion und Vertrieb
Mit einer Jahresproduktion von über 600.000 Flaschen gehört Wilhelm Walch zu den größten privaten Weinerzeugern Südtirols. Das breite Sortiment an Südtirol-DOC-Weinen umfasst die wichtigsten Rebsorten der Region: Gewürztraminer, Lagrein, Vernatsch, Blauburgunder, Pinot Grigio, Chardonnay, Sauvignon und Müller-Thurgau. Ergänzt wird das Angebot durch die Premiumlinie mit Lagennamen (Sauvignon „Krain", Pinot Grigio „Marat", Chardonnay „Pilat"), die Einstiegslinie Prendo (Pinot Grigio und Pinot Noir) sowie die Gold-Label-Serie mit Prestige-Weinen (Cabernet Sauvignon Prestige, Blauburgunder Prestige). Die Rotweincuvée Madrut (Weinberg Dolomiten IGT) aus autochthonen Sorten rundet das Sortiment ab.
Das Familienunternehmen blickt auf über 150 Jahre Exporterfahrung zurück und vertreibt seine Weine über ein starkes internationales Händlernetz. In Deutschland zählen Brogsitter, VinoCult, Gallier und Hasenbring zu den wichtigsten Partnern. Auch der Direktverkauf im historischen Jesuitenkloster in Tramin ist möglich — die atmosphärischen Gewölbe laden zur Verkostung ein.
Besonderheiten
- Standort im ehemaligen Jesuitenkloster (~400 Jahre alt) in Tramin
- 8 ha eigene Weinberge + ca. 100 langjährige Vertragswinzer
- Weinberge am Mendelrücken: Tramin, Kaltern, Kurtatsch, 250–700 m Höhe
- Schwerkraft-Gärkeller 2015 fertiggestellt
- Schwesterweingut: Elena Walch (getrennt geführt, eigene Weinlinien)
- 150 Jahre Exporterfahrung
- Cuvée „Madrut" (Weinberg Dolomiten IGT): Rotweincuvée aus autochthonen Sorten — Lagrein-Anteil möglich, aber nicht deklariert
Lagrein-Weine (1)
Lagrein Südtirol DOC
Der einzige Lagrein im Sortiment von Wilhelm Walch — ein klassischer Vertreter, der die Rebsorte geradlinig und sortentypisch zeigt. Nach der Maischegärung bei kontrollierter Temperatur von 26 °C im Edelstahltank reift der Wein im großen Holzfass und teilweise im 20-hl-Allier-Eichenfass. Das Ergebni...
Kontakt & Info
- Adresse
- Andreas-Hofer-Straße 1, 39040 Tramin
- Telefon
- +39 0471 860172 -
- info@walch.it
- Website
- www.walch.it
Steckbrief
- Ort
- Tramin
- Rebfläche
- 8 ha (eigene Weinberge)
- Produktion
- ca. 600.000 Flaschen
- Kellermeister
- Gianfranco Faustin
- Gegründet
- 1869