Thurnhof

Weingut | Familienbetrieb

Bozen

Geschichte und Familie

„Thurnhof" bedeutet „Hof beim Turm" — und der Turm, der dem Gut seinen Namen gab, steht noch immer: die Ruine der hochmittelalterlichen Burg Weineck auf dem Virgl, jenem markanten Porphyrfelsen, der sich 453 Meter über dem Bozner Talkessel erhebt. In der romanischen Vigiliuskapelle auf dem Virgl zeigt ein Fresko aus dem 14. Jahrhundert die Burg Weineck mitsamt Weg, Tor und einem Gehöft — mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den Thurnhof. Urkundlich belegt ist das Gut seit dem 12. Jahrhundert: Schon vor über 900 Jahren wurde hier am Südhang des Virgl Wein für Klerus und Adel gekeltert.

Im Mittelalter gehörte der Thurnhof den bayerischen Klöstern Schäftlarn und Rottenbuch. Das Benediktinerkloster Schäftlarn, 762 im Isartal gegründet, besaß umfassende Ländereien im Bozner Raum und in Gries-Quirein — der Thurnhof war Teil dieses inneralpinen Besitzes. Unter den josephinischen Reformen in den 1780er-Jahren fielen Kirchengüter an den Religionsfonds; der Thurnhof wechselte in weltliche Hände. Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb Ignaz Mumelter vom Besenbinderhof in Zwölfmalgreien das Anwesen. Zwölfmalgreien — jene Gemeinde aus zwölf kleinen Weilern (der Name leitet sich vom mittelalterlichen Latein „mallareium" ab), die 1911 in die Stadt Bozen eingemeindet wurde — war damals ein Zentrum des Bozner Weinbaus. Die Familie Mumelter betrieb am Thurnhof einen blühenden Buschenschank, der die Bozner Bevölkerung versorgte.

In den 1930er-Jahren heiratete Maria Mumelter den Hans Berger aus Gries — der Hof ging in die Familie Berger über. Der Zweite Weltkrieg brachte schwere Bombenschäden; in den späten 1940er-Jahren wurde das Gut mühsam wieder aufgebaut. Heute bewirtschaften Hans und Andreas Berger den Thurnhof in der sechsten Generation — von Franz Mumelter bis Andreas Berger sind es über 160 Jahre Familienbesitz. Andreas Berger, Önologe und Winzer in einer Person, versteht sich als Bewahrer einer Tradition und Erneuerer zugleich: Die Ambition lautet „Die Bereitung von Weinen mit Charakter."

Weingüter und Lagen

3,5 Hektar Rebfläche in Bozen-Haslach, nur rund 1,5 Kilometer von der Bozner Altstadt entfernt, größtenteils in Steillagen am Fuße des Virgl. Was Mitte des 19. Jahrhunderts noch ländliche Kulturlandschaft war, ist heute ein modernes Wohnviertel — mittendrin bewahrt der Thurnhof als grüne Insel jahrhundertealte bäuerliche Kultur. Die Geologie des Virgl — Etschtaler Vulkanit, Quarzporphyr aus permischem Vulkanismus — prägt das gesamte Terroir: Verwitterter Porphyrschutt bildet den Grundstein der Böden.

Drei Lagen mit unterschiedlichem Charakter liefern die Trauben:

Haslach (Südhang Virglberg): Tiefgründiger, verwitterter Porphyrschutt über eiszeitlichen Moränen. Der warme, sonnige Hang bringt mineralische, feingliedrige Weine mit langer Lebensdauer hervor. Hier wachsen Goldmuskateller, St. Magdalener, Lagrein, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

Merlau / Grutzen (südlich von Bozen): Trockene, tiefgründige und schotterreiche Böden, geformt durch wiederholte Überschwemmungen des Eisack. Das Gestein — eine Mischung aus Dolomiten, Sarntaler Alpen und Eisacktal — verleiht den Weinen einen eigenen Charakter: fruchtig, weich und zugänglich. Der Lagrein-Jahrgang des Thurnhof, auf dem Etikett als „Lagrein Merlau" bezeichnet, trägt den Namen dieses Flurnamens — ein toponomastisches Zeugnis der alten Bozner Weinbaulandschaft. Neben Lagrein steht hier auch Goldmuskateller.

Höhenlage (am Ritten): Moränen-Schwemmland und Porphyrschutt in höherer Lage liefern ideale Bedingungen für den Sauvignon „800" — benannt nach der Meereshöhe der Parzelle. Die Weine sind rassig, feingliedrig, ausgeprägt mineralisch und langlebig.

Weinbau und Keller

„Respekt vor der Natur und Liebe zum Detail" — das ist der Leitsatz, der die tägliche Arbeit am Thurnhof bestimmt. Optimale Pflege der Weinberge, behutsame Verfahren im Keller und vor allem: den Reben und Weinen die Zeit geben, die sie brauchen. Qualität entsteht im Weinberg, in den Steillagen, in der Handarbeit — nicht durch Technik allein.

Der historische Gewölbekeller des Thurnhof wird seit Jahrhunderten für die Weinbereitung genutzt und ist in drei Räume gegliedert. Im ältesten Abschnitt — ein stimmungsvolles Tonnengewölbe mit weiß gekalkten Wänden — reifen die Rotweine in Barriques und großen Eichenfässern (darunter Fässer der renommierten Tonnellerie Damy aus dem Burgund). Ein zweiter Raum beherbergt die Edelstahltanks für temperaturkontrollierte Gärung und Weißweinausbau. Vom Abbeeren bis zur Abfüllung findet alles am Hof statt. Die Weine sind bekannt für ihr ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis — zugänglich und ehrlich, ohne Übertreibung.

Produktion und Vertrieb

Das Sortiment umfasst sieben Weine: Goldmuskateller und Sauvignon 800 (weiß), St. Magdalener, Lagrein Merlau, Lagrein Riserva und Cabernet Sauvignon Riserva „Weinegg" (rot) sowie den Süßwein Passaurum (Passito aus Goldmuskateller und Sauvignon, 0,375 l). Verkauf ab Hof (Kuepachweg 7, Bozen), über Pur Südtirol, Meraner Weinhaus und internationale Importeure (u. a. USA: Piedmont Wine Imports). Verkostungen für maximal 14 Personen nach Voranmeldung.

Der Thurnhof ist Mitglied der Freien Weinbauern Südtirol (FWS) und der Südtiroler Weinstraße. Seit der Gründung im Jahr 1994 gehört das Weingut zu Tirolensis Ars Vini — einem Zusammenschluss von sechs eigenständigen Südtiroler Weingütern (Griesbauerhof, Ansitz Kränzel, Landesweingut Laimburg, Loacker Schwarhof, Erbhof Unterganzner und Thurnhof). Die Mitglieder wirtschaften zwischen Meran und Bozen, tauschen önologisches Wissen aus und präsentieren sich gemeinsam auf Weinmessen. Alle zwei Jahre richtet eines der Güter im Mai ein Weinfest mit neuen Jahrgängen, Kellerraritäten und regionaler Küche aus. Neutrale Experten prüfen die Weine mehrmals jährlich in Blindverkostungen; herausragende Weine erhalten das Qualitätssiegel mit dem Tatzelwurm — jenem sagenumwobenen Alpenwesen, das Unabhängigkeit, Wandlung und Entschlossenheit verkörpert. Gemeinsam keltern die sechs Güter auch eine Cuvée Rot (Cabernet Sauvignon, Lagrein, Blauburgunder, seit 2000) und einen Sekt Brut Rosé auf Lagrein-Basis (Flaschengärung, seit 2011).

Besonderheiten

  • Mitglied von Tirolensis Ars Vini (seit 1994, 6 Südtiroler Weingüter, Tatzelwurm-Qualitätssiegel)
  • Mitglied der Freien Weinbauern Südtirol (FWS) und der Südtiroler Weinstraße
  • Hof seit dem 12. Jahrhundert urkundlich belegt, Fresko in der Vigiliuskapelle
  • Familie Berger seit über 160 Jahren, 6. Generation
  • Steillagen-Bewirtschaftung am Fuße des Virgl
  • Historischer Gewölbekeller (seit Jahrhunderten in Nutzung, 3 Räume)
  • 2 Lagrein-Weine (Merlau + Riserva) mit ausgeprägtem Fruchtcharakter

Lagrein-Weine (2)

Lagrein Merlau

Lagrein classico 12,5–13,5 % € 17,70 / 0,75 l (2024, Meraner Weinhaus)

Der dunkle Bozner — ein fruchtiger Lagrein aus der Lage Grutzen am Südhang von Bozen. Himbeeren, Brombeeren und Veilchenduft in der Nase, kräftige Struktur und weiche Gerbstoffe am Gaumen. Ein frischer, vielseitiger Rotwein mit ausgeprägtem Fruchtcharakter.

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: Großes Eichenfass + Edelstahltank
Lage: Grutzen (Bozen)
Passt zu: Pasta mit Fleischsauce, gegrilltes Fleisch, Südtiroler Speck, mittelalter Käse

Lagrein Riserva

Lagrein riserva 13,5–14 % € 26,80 / 0,75 l (2022, Meraner Weinhaus)

Einheimisch kraftvoll — die besten vollreifen Trauben von alten Rebstöcken werden für diese Riserva selektioniert. Konzentriert dunkelrot mit intensiven Beerenaromen, kräftigem und weichem Gerbstoff, viel Fülle. Der Ausbau in kleinen und großen Eichenfässern verleiht Komplexität und Tiefe.

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: Edelstahltank, dann 12–18 Monate kleine + große Eichenfässer
Lage: Haslach / Grutzen (Bozen)
Passt zu: Braten, Wildgerichte, Schmorgerichte, Rinderfilet, gereifter Käse

Kontakt & Info

Adresse
Kuepachweg 7, I-39100 Bozen
Telefon
+39 0471 285446

Steckbrief

Ort
Bozen
Rebfläche
3,5 ha
Kellermeister
Andreas Berger
Besuch
Möglich ✓

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