Strickerhof

📍 Frangart/Eppan · Gegründet 1834 · Familienbetrieb

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Geschichte und Familie

Die Geschichte des Strickerhofs beginnt 1834, als die Familie Kasseroller einen Hof in Frangart erwirbt — damals noch unter dem Namen „Schlafferhof". Der Wendepunkt kommt 1907: Josef Paul Kasseroller errichtet neben der alten eine neue Hofstelle, gibt ihr den Namen Strickerhof und baut eine eigene Handelskellerei auf. Seine Initialen JPK werden zum Markenzeichen und zieren bis heute ausgewählte Weine des Hauses.

Über mehrere Generationen wird der Hof als landwirtschaftlicher Mischbetrieb geführt — Weinbau, Obstanbau, Fruchtsäfte. In der vierten Generation übernehmen Karl und Josefine Kasseroller den Betrieb. Karl setzt ab 1998 konsequent auf biologischen Weinbau und macht den Strickerhof zu einem der Bio-Pioniere Südtirols.

2022 markiert den bisher tiefgreifendsten Umbruch: Lorenz Kasseroller übernimmt mit 23 Jahren die Weinproduktion und leitet einen bewussten Neuanfang ein. Der Name wird auf „Stricker" verkürzt, die Etiketten tragen ein neues, zeitgenössisches Kunstdesign, die Website wechselt von strickerhof-frangart.it zu stricker.wine. Was bleibt, ist der Kern: dieselbe Familie, dieselben Reben, derselbe Boden — und die tiefe Überzeugung, dass guter Wein mit gesunder Natur beginnt.

Lorenz bringt dabei eine Ausbildung mit, die weit über den heimischen Horizont hinausreicht. Er studiert Önologie an der Hochschule Geisenheim im Rheingau — einer der renommiertesten Weinbau-Hochschulen weltweit, gegründet 1872. Sein Praktikum absolviert er bei der Kellerei Schreckbichl in Girlan, einer der führenden Genossenschaften Südtirols. Anschließend sammelt er internationale Erfahrung bei Meerlust in Stellenbosch, Südafrika — einem legendären Weingut der Familie Myburgh, seit 1756 in Familienbesitz und bekannt für Spitzenweine wie den Rubicon. Von dort bringt Lorenz nicht nur önologisches Handwerk mit, sondern auch eine Perspektive, die Südtiroler Tradition mit Weltweinkultur verbindet.

Weingüter und Lagen

2 Hektar Rebfläche liegen in Frangart in der Gemeinde Eppan, im Herzen des Überetsch südwestlich von Bozen. Die Boznerstraße 62 — die Adresse des Hofs seit über hundert Jahren — liegt auf rund 250 m Höhe im milden Klima des Etschtals, geschützt von den Bergzügen des Mendelkamms im Westen.

Die Böden sind sandig-lehmig und humusreich — warm, durchlässig und ideal für wärmeliebende Rotweinsorten. Tagsüber sorgt die Südtiroler Sonne für optimale Reife, nachts bringt die Abkühlung von den Bergen die nötige Frische. Diese Kombination schafft hervorragende Bedingungen für Vernatsch und Lagrein, die hier seit Generationen gedeihen, aber auch für Chardonnay, der von der Temperaturamplitude profitiert.

Besonders bemerkenswert: Teile der Rebflächen tragen über 60 Jahre alte Rebstöcke. Diese alten Reben wurzeln tief im Boden, liefern geringe Erträge mit hoher Konzentration und geben den Weinen eine Tiefe, die junge Anlagen nicht bieten können. Unter Karl wurden zusätzlich pilzresistente Sorten wie Bronner und der seltene Chambourcin angepflanzt — Ausdruck eines experimentierfreudigen Bio-Ansatzes.

Weinbau und Keller

Seit 1998 wird der Strickerhof nach den strengen Bioland-Richtlinien biologisch-organisch bewirtschaftet — seit über 25 Jahren ohne synthetische Pflanzenschutzmittel, ohne Mineraldünger, ohne Herbizide. Damit gehört der Hof zu den frühesten Bio-Betrieben im Südtiroler Weinbau. Eine Studie der Universität Innsbruck bestätigte die Wirkung dieser Philosophie eindrucksvoll: In keinem der untersuchten Weingüter lebten so viele Bodenorganismen wie in den Böden des Strickerhofs.

Die Philosophie des Betriebs lässt sich in vier Worte fassen: „Passion für Handarbeit. Passion für höchste Qualität. Passion für Natur. Passion für Artenvielfalt." Lorenz beschreibt den Ansatz als „undogmatisches Arbeiten, um unverfälschten Weinzauber bieten zu können" — kein starres Regelwerk, sondern aufmerksames Reagieren auf das, was Jahrgang und Natur vorgeben.

Im Weinberg wird konsequent von Hand gearbeitet. Laubarbeiten und Lese erfolgen manuell und geben dem Winzer die volle Kontrolle über das Geschehen in den Reben. Im Keller setzt Lorenz auf Schwerkraft-Verarbeitung, um unnötiges Pumpen und Scherkräfte zu vermeiden. Vergoren wird sowohl mit Spontangärung als auch mit Reinzuchthefen — je nachdem, was der einzelne Wein verlangt. Der Einsatz von Zusatzstoffen wird auf das Nötigste reduziert, die „Reintönigkeit" des Weins steht im Vordergrund.

Gegenüber der Ära seines Vaters hat Lorenz den Stil merklich verändert. Der Lagrein reift nicht mehr ein Jahr in französischer Eiche, sondern je zur Hälfte in Edelstahl und neutralem Barrique — ein bewusster Schritt hin zu mehr Frucht und Eleganz. Auch beim Vernatsch geht Lorenz eigene Wege: 10 % Appassimento (teilweise Antrocknung der Trauben) und eine eintägige Kaltmazeration verleihen der autochthonen Sorte ungewohnte Tiefe. Der Chardonnay wird zu einem Drittel spontan in Akazienholz vergoren, mit malolaktischer Gärung und Vollhefe-Ausbau — der Rest reift temperaturkontrolliert im Stahl auf der Feinhefe.

Produktion und Vertrieb

Aus den 2 Hektar entstehen aktuell drei Weine — Vernatsch, Lagrein und Chardonnay — alle als Südtirol DOC klassifiziert. Daneben produziert der Hof weiterhin hochwertige Fruchtsäfte und baut Obst an (Äpfel, Birnen, Steinobst). Die Jahresproduktion ist naturgemäß klein und wird vorwiegend ab Hof verkauft — nach Vereinbarung, nicht mehr im früheren Hofladen mit festen Öffnungszeiten.

Der Webshop auf stricker.wine befindet sich im Aufbau und soll demnächst online gehen. Der Strickerhof ist Mitglied der Freien Weinbauern Südtirol (FWS) und von Bioland.

🍷 Lagrein-Weine (1)

Lagrein

Lagrein classico 13 % nicht ermittelt (Shop im Aufbau)

Der Lagrein vom Strickerhof zeigt Lagrein-typische Noten nach intensiven Waldbeeren, Bitterschokolade sowie leichten Kaffee-Röstaromen. Am Gaumen erfrischend und elegant mit einer spannenden Würze. Die Trauben werden entrappt und temperaturkontrolliert im Edelstahltank vergoren, anschließend reift d...

Rebsorte: Lagrein 100 %
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: 50 % Edelstahl, 50 % neutrales Barrique
Passt zu: Dunkles Fleisch, Schmorgerichte, Wild, gereifte Käse.

Besonderheiten

  • **Bio-Weingut seit 1998** (Bioland-zertifiziert, über 20 Jahre)
  • Familie Kasseroller seit 1834
  • **Generationswechsel 2022:** Lorenz Kasseroller übernimmt die Weinproduktion (Geisenheim, Meerlust/Südafrika)
  • Neues Branding 2022: „Stricker" (vormals „Strickerhof")
  • Rebstöcke teilweise über 60 Jahre alt
  • Schwerkraft-Kellerarbeit, minimale Eingriffe
  • Uni Innsbruck bestätigt überdurchschnittliche Bodenqualität

Kontakt

Adresse
Boznerstraße 62, 39057 Frangart/Eppan, Italien
Website
stricker.wine

Steckbrief

Rebfläche
2 ha
Kellermeister
Lorenz Kasseroller
Gegründet
1834

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