Spitalerhof
📍 Klausen · Familienbetrieb
Geschichte und Familie
Die Geschichte des Spitalerhofs beginnt lange vor der Familie Oberpertinger — sie beginnt auf dem Säbener Berg über Klausen. Dort, auf einem seit der Jungsteinzeit besiedelten Felsen, befand sich vom 6. Jahrhundert bis 960 der Bischofssitz von Säben-Brixen, einer der ältesten Tirols. Der Hof in Leitach gehörte einst zum Besitz des Bistums, und so reifte der Wein hier buchstäblich unter klösterlichem Segen — wie die Familie es formuliert. Als der Bischofssitz nach Brixen verlegt wurde, blieb Säben ein Wallfahrtsort; seit 1686 lebten dort Benediktinerinnen in strenger Klausur, bis die letzten Schwestern 2021 das Kloster verließen. Der Spitalerhof aber blieb, was er immer war: ein Ort, an dem Wein wächst.
Klausen selbst — erstmals 1027 als Clausa sub Sabiona sita urkundlich erwähnt, 1308 zur Stadt erhoben — liegt an den alten Handelsrouten zwischen Nord und Süd. Heute ist die Kleinstadt als „Törggelehauptstadt" bekannt und gehört zu den „Borghi più belli d'Italia", den schönsten Dörfern Italiens. In diesem Kontext ist der Spitalerhof verwurzelt: ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb, der sich über Generationen vom Ackerbau mit Viehzucht zum Weingut mit Genusshotel entwickelt hat.
Heute führt Michael Oberpertinger, genannt „Muga", den Betrieb in der vierten Generation — als Weinbauer, Kellermeister und kreativer Kopf. Seine Geschichte ist die eines Quereinsteigers: Als gelernter Koch mit hohen Ambitionen und geschultem Gaumen fand er den Weg aus der Küche in den Weinberg. Was blieb, ist die Leidenschaft für Genuss — sie verbindet Kochtopf und Rebstock.
Die Familie ist der Herzschlag des Betriebs, und jedes Mitglied hat seine Rolle:
- Claudia, Michaels Frau — gebürtige Bayerin, ebenfalls Quereinsteigerin. Sie leitet die Küche im Restaurant „Muga" und gründete die hauseigene Eismanufaktur mit Kreationen aus Rosmarin, Zirbe, Holunder und Südtiroler Kastanien. Ihr Lieblingsgetränk: der hauseigene Gin „Wastl Tschinn".
- Sandra, Michaels Schwester — am Empfang die erste Anlaufstelle für Gäste, ehemalige Törggele-Königin und Insiderin für alles, was die Region zu bieten hat. Nebenbei fertigt sie Zirbenkissen in Handarbeit. Ihr Lieblingsgericht: gebratene Südtiroler Kastanien.
- Isabella, die Seniorchefin — Seele des Hauses, passionierte Bergsteigerin und Dolomitenexpertin, die Gäste mit Wanderempfehlungen und Weinwissen gleichermaßen versorgt. Ihr Lieblingswein: der hauseigene Sauvignon.
- Günther, der Seniorchef — Frühaufsteher mit grünem Daumen. Er kümmert sich um den Garten, die Frühstückseier und den hauseigenen See. Sein Lieblingsgericht: Hauswurst mit Sauerkraut.
- Leonie und Felix, die nächste Generation — Leonie hat die Hotelfachschule abgeschlossen und arbeitet bereits im Betrieb mit; Felix ist angehender Koch und setzt damit die kulinarische Tradition des Vaters fort.
Zwei Anekdoten erzählen mehr über den Charakter dieser Familie als jeder Werbetext:
Großmutter Moidl betrieb in jungen Jahren eine heimliche Destillerie. Mit 27 wurde sie wegen Schwarzbrennerei vor das Gericht in Bozen geladen und verurteilt — die legalen Brennmengen reichten der Familie schlicht nicht aus. „Ja, die Damen der Familie!", kommentiert die Website trocken. Heute trägt der hauseigene Grappa ihren Namen: Grappa „Moidl".
Großvater Sepp stand 1968 vor einem Problem: Die deutschen Urlauber zogen zunehmend an den Gardasee. Ein Gast soll gesagt haben: „Bau einen See — dann müssen wir nicht weiterfahren." Sepp baute. Der „Seppl See" — ein chlorfreier Naturschwimmbadteich inmitten der Weinberge — steht bis heute. Sepp hinterließ dem Hof noch ein zweites Vermächtnis: die alten Sylvaner-Reben, die er pflanzte und die heute den Wein „Sepps alte Rebe" liefern.
Weingüter und Lagen
Der Spitalerhof liegt im Weiler Leitach oberhalb von Klausen im Eisacktal — einer der nördlichsten Weinbauregionen Italiens und zugleich einer der charaktervollsten Südtirols. Das Eisacktal ist klimatisch rauer als das mildere Etschtal: Kühle Nächte und intensive Sonneneinstrahlung am Südhang schaffen ein Spannungsfeld, das den Weinen Frische, Aromatik und eine ausgeprägte Mineralität verleiht.
Die Rebflächen befinden sich auf rund 525 m Höhe am Südhang in Guyot-Erziehung. Der Boden — Schiefer und Diorit — speichert die Tageswärme und gibt sie nachts an die Reben ab. Diese Kombination aus Höhenlage, Exposition und Gesteinsuntergrund macht das Terroir des Spitalerhofs ideal für aromatische Weißweine, bringt aber auch einen eigenständigen, mineralisch geprägten Lagrein hervor — eine Rarität im klassischen Weißwein-Eisacktal.
Direkt über dem Hof thront der Säbener Berg mit dem Kloster — ein Anblick, der die Arbeit im Weinberg täglich begleitet und an die jahrhundertealte Weinbautradition dieses Ortes erinnert.
Weinbau und Keller
Die Weinphilosophie am Spitalerhof lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:
„Qualität wurzelt im Weinberg und nicht im Keller. Hier ist Handwerk gefragt."
Michael glaubt daran, dass jede Rebsorte nur an ihrem Lieblingsplatz ihr volles Aroma, ihre Kraft und ihre Persönlichkeit entfalten kann. Sein Leitsatz: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig" — schonende, naturnahe Bewirtschaftung, die den Weinen ihre Eigenart bewahrt. Direkte Produktwege sind das Prinzip: Feld → Kochtopf, Garten → Teller, Rebstock → Glas.
Das Sortiment umfasst sieben Rebsorten — vier weiße und drei rote:
- Sylvaner „Sepps alte Rebe" — aromatisch, fruchtig-frisch mit Noten von Pfirsich, Apfel und Aprikose. Aus den alten Reben, die Großvater Sepp einst pflanzte.
- Gewürztraminer — Aromasorte mit Rosenblättern, Nelken, Litschi und tropischen Früchten.
- Grüner Veltliner — fruchtig mit grünem Apfel und angenehmer Säure. Michaels Lieblingswein.
- Sauvignon Blanc — grüne Aromen von frisch geschnittenem Gras und Stachelbeere.
- Vernatsch — der klassische Südtiroler Alltagswein.
- Blauburgunder — kräftig, mit roten und dunklen Beeren, Gewürz und Veilchen.
- Lagrein — kräftig, mit Waldbeeren, Kirschen und Veilchen; samtige Fülle, weiche Säure. 6 Monate Barrique.
Die Spezialität des Hauses ist der Grüne Veltliner „Muga" — Michaels Signaturwein, benannt nach seinem Spitznamen. Er wird erst im November geerntet, teilweise überreif und mit Botrytis (Edelfäule), dann im Holzfass vergoren. Ein Wein, der nur in edelfäuletauglichen Jahren entsteht — kein Alltagsprodukt, sondern ein Statement.
Neben dem Weingut betreibt die Familie eine Brennerei mit tief in die Familiengeschichte reichender Tradition. Das Sortiment — Grappa, Marillenbrand, Williamsbrand, Vogelbeerbrand, Apfelbrand, Enzianbrand, Apfel-Himbeerbrand und der nach Großmutter benannte Grappa „Moidl" — wird ergänzt durch den Gin „Wastl Tschinn", der zeigt, dass der Spitalerhof auch bei Destillaten experimentierfreudig ist.
Produktion und Vertrieb
Der Spitalerhof ist mehr als ein Weingut — er ist ein Gesamterlebnis, in dem Wein, Küche, Natur und Gastfreundschaft untrennbar verbunden sind. Das Motto: „Der pure Weinsinn!"
Im 3-Sterne-Superior-Genusshotel stehen 37 Zimmer und Suiten zur Verfügung, eingerichtet in heimischem Eichen- und Zirbenholz. Das Highlight ist die „Fassl Lodge" — eine bewohnbare Weinfass-Suite direkt vor dem Hotel inmitten der Weinberge. Das Fass würde 44.000 Liter fassen, was 58.000 Flaschen entspricht. Statt Wein beherbergt es Gäste: mit Zirbenholz-Sonnenterrasse, beheiztem Whirlpool und Blick über die Reben — „romantische und erholsame Stunden" im buchstäblichen Herzen der Weinproduktion.
Das Restaurant „Muga" & Bistro (Do–Di, 18:30–20:30 Uhr) wird von Claudia und Küchenchef Martin geführt. Die Küche setzt auf Null-Kilometer-Philosophie: Was der Hof hergibt, kommt auf den Teller. Die Präsentation ist bewusst unkonventionell — Gerichte werden in Einmachgläsern, auf Baumrinde, in Holzschubladen und auf Steinplatten serviert. Saisonale Highlights reichen von „Kolter, explodierter Schlutzer" über Rote-Bete-Spaghetti bis zum Wild-Tomahawk mit Traminer-Polenta. Dazu kommen thematische Wochen: Vorspeisen im Jänner, Eisacktaler Küche im März, Spargel im Frühling, Törggelen im Herbst.
Der „Seppl See", Großvater Sepps Vermächtnis von 1968, ist heute ein chlorfreies Naturschwimmbad mit Blick auf die Weinberge. Der Wellnessbereich bietet eine Bio-Zirben-Sauna (60 °C), eine finnische Sauna (100 °C), ein Kaltbecken mit eiskaltem Bergquellwasser und einen beheizten Whirlpool.
Im Hofladen und dem Webshop (spitalerhof.shop) sind neben Weinen und Destillaten auch Fruchtaufstriche und Sandras handgemachte Zirbenkissen erhältlich. Der Spitalerhof ist Mitglied der Freien Weinbauern Südtirol (FWS) und des Verbands Vinum Hotels Südtirol — „eine freundschaftliche Vereinigung Gleichgesinnter: kleine Hotels mit großen Visionen, persönlich geführt von passionierten Weinkennern."
🍷 Lagrein-Weine (1)
Lagrein
Kräftiger Rotwein mit Aromen von Waldbeeren, Brombeere und Kirschen. Vom Barriqueausbau kommt ein leichtes Holzaroma, das dem Wein Tiefe verleiht. Am Gaumen vollmundig, saftig und trocken — mit langanhaltenden Aromen und würzigem Charakter. Eine Besonderheit im Eisacktal, wo der Lagrein auf Schiefer...
Besonderheiten
- • Kombination aus **Weingut, Brennerei und 3-Sterne-Superior-Genusshotel** — selten in Südtirol
- • **Fassl Lodge:** Übernachtung im übergroßen Weinfass (Fassungsvermögen 44.000 l / 58.000 Flaschen) mit beheiztem Whirlpool auf Zirbenholz-Terrasse
- • **Brennerei** mit langer Familientradition: Großmutter Moidl wurde 1940er-Jahre wegen Schwarzbrennerei vor Gericht geladen; heute legale Destillate (Grappa, Marillenbrand, Williams, Enzian, Gin „Wastl Tschinn")
- • **Restaurant „Muga"** im Hotel, benannt nach Michaels Spitznamen
- • **Pool** mit Blick auf die Weinberge (seit 1968 von Großvater Sepp gebaut)
- • Nächste Generation bereits aktiv: **Leonie** (Hotelschule) und **Felix** (angehender Koch)
Kontakt
- Adresse
- Leitach 46, 39043 Klausen
- Telefon
- +39 0472 847612 -
- info@spitalerhof.it
- Website
- www.spitalerhof.it
Steckbrief
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