Lageder

📍 Magreid · Gegründet 1823 · Familienbetrieb

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Geschichte und Familie

Die Geschichte der Lageders beginnt 1823, als der junge Johann Lageder in Bozen anfing, mit Wein zu handeln. Seine Nachkommen erwarben die ersten eigenen Weinberge und kelterten selbst — aus dem Händler wurde ein Winzer. Den entscheidenden Schritt vollzog 1934 Urenkel Alois III, als er in Magreid den Ansitz Löwengang kaufte, ein historisches Anwesen, das bereits seit 1666 als Weinkeller urkundlich belegt ist. Der Löwengang wurde zum Herz und zur Seele des Betriebs — bis heute ist er Stammsitz und Namensgeber der Flaggschiff-Weine.

In den 1970er-Jahren übernahm Alois IV gemeinsam mit seiner Mutter Wendelgard und Schwiegervater Luis von Dellemann die Leitung und begann, Keller und Weinberge grundlegend zu modernisieren. Er erkannte früh, dass Qualität im Weinberg beginnt, und stieß einen Qualitätskurs an, der nicht nur das eigene Weingut, sondern die gesamte Südtiroler Weinlandschaft beeinflusste. Bereits Mitte der 1990er-Jahre fiel eine Entscheidung, die für die Region revolutionär war: die Umstellung aller eigenen Flächen auf biologisch-dynamischen Anbau nach den Prinzipien Rudolf Steiners.

Anfang der 1990er-Jahre erwarb die Familie den Casòn Hirschprunn — ein Renaissancepalazzo in Magreid mit Bauteilen aus dem 13. Jahrhundert, vollendet im 16. Jahrhundert durch die Familie Hirschprunn. Das Anwesen bringt über 30 Hektar Weinberge mit und beherbergt heute die Vineria & Osteria Paradeis sowie eine vielbeachtete Eventlocation.

Heute führt die sechste Generation das Familienunternehmen unter dem Motto „Diversity is key" — ein Geschwistertrio mit klarer Aufgabenteilung: Alois Clemens leitet als CEO Keller, Landwirtschaft, Vertrieb und Finanzen. Helena verantwortet Marketing, Kommunikation, die internationale Markenrepräsentation und die Vineria Paradeis. Anna organisiert die großen Weingut-Events, darunter die jährliche SUMMA — eine seit über 25 Jahren in Magreid stattfindende Weinmesse, die das Dorf alljährlich zum Treffpunkt der internationalen Weinwelt macht.

Weingüter und Lagen

Die familieneigenen 55 Hektar in Magreid, Bozen und Auer werden biodynamisch bewirtschaftet. Dazu arbeitet das Weingut mit rund 60 Partnerwinzern aus ganz Südtirol zusammen, die weitere 85 Hektar bewirtschaften — seit dem Jahrgang 2024 werden sämtliche Trauben, auch die der Partner, biologisch oder biodynamisch erzeugt. Insgesamt stehen dem Weingut so 140 Hektar zur Verfügung.

Die Lagen erstrecken sich über ein gewaltiges Höhenspektrum von 200 bis 1.000 Metern: vom warmen Etschtal bei Magreid über die Bozner Tallagen bis in die kühlen Höhen des Eisacktals. Diese Spannbreite — alpines Klima trifft auf mediterrane Wärme — ist in Südtirol einzigartig und ermöglicht den Anbau von 30 Rebsorten, darunter auch experimentelle Sorten.

Für den Lagrein sind zwei Lagen besonders bedeutend:

  • Lindenburg (Bozen-Gries/Dorf, 280 m): Eine der besten Lagrein-Lagen Südtirols. Tiefe, fruchtbare Schwemmböden an Talfer und Eisack. Die Weinberge wurden in den 1950er-Jahren erneuert und tragen heute Reben im Alter von 21 bis 41 Jahren in traditioneller Pergelerziehung. Das warme Mikroklima Bozens — eine der heißesten Städte Italiens im Sommer — gibt dem Lagrein die Fülle und Reife, die ihn auszeichnet.
  • Sand (Magreid, 230–320 m): Der Schwemmkegel von Magreid mit kiesig-sandigen Böden auf Dolomit-Kalkstein bildet das Terroir des Conus Lagrein. Die Reben stehen auf dem namensgebenden Konus — dem alluvialen Fächer, den die Gebirgsbäche über Jahrtausende aufgeschüttet haben.

Weitere wichtige Lagen: Löwengang in Magreid (einige der ältesten Reben Südtirols, rund 145 Jahre), Porer und Vogelmaier am Kalterer See, Romigberg bei Bozen, Am Sand in Tramin. Die geologische Vielfalt — Porphyr, Dolomit, Kalkstein, Schwemmböden — gibt jedem Wein einen eigenen, unverwechselbaren Charakter.

Weinbau und Keller

Biodynamie ist bei Lageder keine Marketingstrategie, sondern gelebte Überzeugung seit drei Jahrzehnten. Die Philosophie folgt dem Bild des „Hoforganismus" — eines geschlossenen Kreislaufs, in dem jedes Element als investierte Ressource verstanden wird, nicht als verbrauchte: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig" lautet das Prinzip im Keller wie im Weinberg.

Konkret bedeutet das: keine synthetischen Herbizide, Insektizide, Fungizide oder Mineraldünger. Stattdessen biodynamische Präparate, homöopathische Aufgüsse, Begrünungen mit Wildkräutern und Hecken zur Förderung der Biodiversität. Im Winter weiden Rinder in den Weinbergen und düngen die Böden auf natürliche Weise. Der GrandOrto — ein großer Gemüsegarten auf dem Anwesen — versorgt die Vineria Paradeis und schließt den Kreislauf zwischen Landwirtschaft und Gastronomie.

Im Keller, 1995 von amerikanischen Architekten entworfen, wird konsequent nach dem Gravitationsprinzip gearbeitet: Die Trauben durchlaufen mehrere Ebenen um eine zentrale Säule, ohne Pumpen. 17 Meter reicht der runde „Kelterturm" in die Tiefe — ein Pionierwerk, das natürliche Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle nutzt. Auf den Dächern liefern Solaranlagen Strom, ergänzt durch Wasserkraft und Geothermie.

Auch im Detail denkt Lageder Nachhaltigkeit konsequent: Seit 2021 reduzieren leichtere Flaschen den Glasverbrauch um 114 Tonnen jährlich (−22 %). Die Etiketten bestehen seit 2024 aus 100 % Recyclingpapier. Statt Alufolie versiegelt eine schwere Papierkappe den Korken — mit einer eigens entwickelten Abfüllmaschine, der ersten ihrer Art.

Im Keller arbeiten Jo Pfisterer als Produktionsleiter und Önologe sowie die Winzerinnen Paola Tenaglia und Marion Pedron. Die Landwirtschaft und die Partnerwinzer verantwortet Katharina Alverá. Biodynamie-Zertifizierung: Demeter (seit 2004 Landwirtschaft, seit 2008 Weine) und IT BIO 013 (EU-Bio).

Produktion und Vertrieb

Alois Lageder produziert rund 400.000 Flaschen pro Jahr — verteilt auf 33 Weine aus 30 Rebsorten in drei Linien: Klassische Rebsorten (sortentypisch und zugänglich), Kompositionen (lagenbasierte Assemblagen) und Crus (Einzellagen-Spitzenweine wie Löwengang Chardonnay oder Lindenburg Lagrein). Ergänzt werden sie durch die experimentellen Kometen (Weine, die konventionelle Jahrgangsprinzipien hinterfragen), die Reihe Misto Mare und das Raritätenprogramm Rarum.

102 Mitarbeiter aus 18 Nationen arbeiten in Weingut, Keller, Gastronomie und Verwaltung — dazu kommen 86 Erntehelfer in der Lese. Der Vertrieb erstreckt sich auf über 30 Länder: Schwerpunkte sind Südtirol, Italien, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Benelux, Großbritannien und die USA. International arbeitet Lageder mit Partnern wie Hawesko, Vicampo und Lieblingsweinladen (DE), Bindella (CH) und Dalla Terra (USA). Der eigene Webshop liefert nach Deutschland, Österreich und Italien.

Lageder ist Mitglied der Freien Weinbauern Südtirol (FWS) und gehört als größter biodynamischer Weinproduzent Italiens zu den einflussreichsten Stimmen für nachhaltigen Weinbau in Südtirol. Die jährliche SUMMA — seit über 25 Jahren in Magreid ausgerichtet — versammelt biologisch und biodynamisch arbeitende Winzer aus aller Welt und unterstreicht den Anspruch, nicht nur guten Wein zu machen, sondern den Weinbau als Ganzes voranzubringen.

🍷 Lagrein-Weine (4)

Lindenburg Lagrein

Lagrein classico 12,5 % vol. € 34,90 / 0,75 l (2021, ab Weingut)

Der Lindenburg stammt von einer der besten Lagrein-Lagen Südtirols: dem gleichnamigen Anwesen am Eisack in Bozen-Gries. Die tiefen Schwemmböden und das kühle Mikroklima bringen einen Lagrein hervor, der Kraft mit Eleganz verbindet. Spontangärung und langer Ausbau in großen Holzfässern unterstreichen...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Mitterberg IGT
Ausbau: Spontangärung, biologischer Säureabbau, ca. 15 Monate große Holzfässer, 1 Jahr Flaschenreife
Lage: Lindenburg, Bozen-Gries, 280 m
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Geschmortes Rindfleisch, Wildbret, reife Hartkäse

Conus Lagrein

Lagrein classico 11 % vol. € 21,50 / 0,75 l (2021, ab Weingut)

Der Conus trägt seinen Namen nach dem Schwemmkegel („Konus") von Magreid. Die Trauben stammen aus der Lage „Sand" — kiesige, dolomitreiche Böden auf alluvialem Untergrund. Spontangärung und der Ausbau in Edelstahl und Tonneaux bringen einen Lagrein mit Finesse und Tiefe hervor, der die mineralische...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: Spontangärung, biologischer Säureabbau teilweise Edelstahl, teilweise Holzfässer (Tonneaux)
Lage: „Sand", Magreid, 230–320 m
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Rindfleisch, Lamm, Wild, gereifte Käse aller Art

Lagrein

Lagrein classico 12 % vol. € 15,30 / 0,75 l (2023, ab Weingut)

Der klassische Lagrein aus der Linie „Klassische Rebsorten" — ein unkomplizierter, sortentypischer Vertreter aus biodynamischem Anbau. Trauben aus Bozen, Auer und Magreid (210–280 m) reifen 12 Monate in Beton und Edelstahl. Ein frischer, fruchtbetonter Lagrein für den täglichen Genuss.

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: Biologischer Säureabbau, ca. 12 Monate teilweise Edelstahl, teilweise Beton
Lage: Bozen, Auer, Magreid, 210–280 m
Passt zu: Pasta mit Fleischragout, gegrilltes Fleisch, mittelreife Käse

Lagrein Rosé

Lagrein rose 11,5 % vol. € 13,70 / 0,75 l (2025, ab Weingut)

Frischer, lebhafter Rosé aus 100 % Lagrein — kurzer Schalenkontakt, 4 Monate Feinhefelager im Edelstahl. Trauben aus Bozen und Auer, biodynamisch bewirtschaftet. Ein Sommerwein mit Substanz und Trinkfluss.

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: 4 Monate auf der Feinhefe, Edelstahl
Lage: Bozen, Auer, 230–300 m
Passt zu: Salate, gegrillter Fisch, Meeresfrüchte, leichte Vorspeisen

Besonderheiten

  • **Biodynamisch** (Demeter-zertifiziert) und **bio-zertifiziert** (IT BIO 013)
  • Seit 2024 arbeiten alle Partnerwinzer biologisch oder biodynamisch
  • 6. Generation Familienweingut, gegründet 1823
  • 30 Rebsorten — einzigartige Vielfalt in Südtirol
  • 102 Mitarbeiter, ca. 60 Partnerwinzer
  • Ansitz Löwengang in Magreid als Stammsitz
  • Vineria & Osteria Paradeis mit eigenem Gemüsegarten (GrandOrto)
  • Mitglied der **Freien Weinbauern Südtirol (FWS)**

Steckbrief

Rebfläche
140 ha (55 ha eigene + 85 ha Partner)
Produktion
ca. 400.000 Flaschen
Kellermeister
Jo Pfisterer
Gegründet
1823
Besuch
Möglich ✓

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