Kloster Neustift

Weingut | Genossenschaft

Vahrn / Neustift

Geschichte

Die Geschichte der Stiftskellerei Neustift beginnt im Jahr 1142, als der selige Hartmann, Bischof von Brixen, das Augustiner Chorherrenstift vor den Toren seiner Bischofsstadt gründete. Reginbert von Säben stattete das junge Kloster mit Höfen und Grundstücken aus — darunter auch Weinbergen. Damit legte er den Grundstein für eine Weinbautradition, die heute fast 900 Jahre ununterbrochen andauert. Bereits 1177 bestätigte Papst Alexander III. in einer Bulle den Weinbergbesitz des Klosters und sicherte ihn kirchenrechtlich ab.

Neustift entwickelte sich rasch zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum im Eisacktal. Ab 1160 — kaum zwei Jahrzehnte nach der Gründung — nahm das Stift eine Bildungsaufgabe wahr, die es bis heute erfüllt: Kloster Neustift ist eine der ältesten Bildungseinrichtungen Europas. Über die Jahrhunderte prägte ein Wechsel aus Blüte und Krise das Stift: die Aufhebung unter der bayerischen Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts, die Wiederbegründung, zwei Weltkriege und die ständige Anpassung an neue Zeiten. Eines aber blieb konstant — der Weinbau.

Heute leben und wirken 16 Augustiner Chorherren im Stift unter Propst Eduard Fischnaller und Dekan Michael Bachmann. Das Kloster beschreibt sein Team als „jung, motiviert und engagiert" — eine bemerkenswerte Selbstbeschreibung für eine Institution, deren Wurzeln ins Hochmittelalter reichen. Neben der Stiftskellerei betreibt das Kloster ein Bildungshaus, ein Museum mit der berühmten Bibliothek und der Wunderkammer, den Stiftsgarten und einen Gastronomiebetrieb. Kloster Neustift gilt als eines der ältesten aktiven Weingüter der Welt und als das zweitälteste Unternehmen Italiens.

In der Geschichte des Stifts standen insgesamt 58 Pröpste (lat. Praepositus = Vorsteher) an der Spitze — ihr Titel gab der Premium-Weinlinie den Namen: Praepositus.

Weingüter und Lagen

Die Rebfläche des Klosters umfasst 86 Hektar — davon 26 Hektar in eigenem Besitz und weitere 60 Hektar von rund 60 Vertragswinzern, die das Kloster teilweise seit über 60 Jahren mit Trauben beliefern. Die Weinberge verteilen sich auf drei grundverschiedene Klimazonen:

Eisacktal (Weißwein): Das Herzstück der Produktion. Die Weißwein-Lagen erstrecken sich auf 600 bis 900 Höhenmetern an steilen Hängen im Talbecken von Brixen — dem nördlichsten Weinbaugebiet südlich der Alpen, eingebettet in die Dolomiten. Hier herrschen große Tag-Nacht-Temperaturschwankungen, die den Weinen ihre charakteristische Aromatik und Frische verleihen. Rund 80 % der Gesamtproduktion entfallen auf Weißweine aus dem Eisacktal: Sylvaner, Kerner, Riesling, Grüner Veltliner, Müller Thurgau und Gewürztraminer.

Mariaheim bei Bozen (Lagrein): Mitte des 17. Jahrhunderts erwarb das Stift das kleine Kloster Mariaheim in der Bozner Ebene — ein Nebenkloster mit rund 2 Hektar, die vollständig mit Lagrein bepflanzt sind. Die Trauben aus Mariaheim bilden zusammen mit Trauben aus klostereigenen Weinbergen in St. Quirein/Gries (260–350 m, Porphyr-Verwitterungsböden) die Grundlage für die Lagrein-Weine der Stiftskellerei.

Marklhof in Girlan/Eppan (Rotwein): Ein weiteres klostereigenes Gut im Überetsch, auf dem vorwiegend Blauburgunder und Vernatsch angebaut werden, teils auch Sauvignon. Die wärmeren Lagen bei Girlan und Bozen liefern die nötige Reife für die Rotweinerzeugung.

Weinbau und Keller

Die Philosophie der Stiftskellerei: „Höchste Qualität durch strenge Weinbergs- und Kellerwirtschaft — nachhaltig, im Einklang mit der Natur." Kellermeister Celestino Lucin — zuvor bei der Kellerei Schreckbichl in Girlan tätig — hat den Rotweinen des Klosters deutlich mehr Profil verliehen. Seine Handschrift zeigt sich besonders beim Lagrein Riserva Praepositus, der unter seiner Leitung regelmäßig Bewertungen über 90 Punkte bei internationalen Kritikern erzielt.

Das Sortiment von rund 25 verschiedenen Weinen gliedert sich in vier Linien:

  • Classic — die Basisweine: aromatisch, frisch, trinkfreudig. Hier stehen Sortenreinheit und Zugänglichkeit im Vordergrund.
  • Praepositus — die Spitzenweine, benannt nach den 58 Pröpsten des Stifts: Trauben aus den besten Lagen, längerer Ausbau, größere Struktur und Komplexität. Jeder Praepositus-Wein ist ein Bekenntnis zur jeweiligen Rebsorte in ihrer besten Ausprägung.
  • Single Vineyards — Einzellagenweine mit unverwechselbarem Terroir-Charakter.
  • Insolitus — die experimentelle Linie: Amphora-Ausbau, Kabi Riesling, Moscato Rosa, der Schaumwein Perlae und andere Sonderweine. Hier darf das Kellerteam Grenzen ausloten.

Produktion und Vertrieb

Rund 800.000 Flaschen pro Jahr — damit ist Kloster Neustift einer der größten Privatproduzenten Südtirols. Trotz dieser Menge bleibt die Qualität hoch: Die langjährigen Partnerschaften mit den Vertragswinzern, strenge Ertragsbegrenzung und die sorgfältige Selektion im Keller gewährleisten das Niveau.

Das Sortiment ist breit gefächert: Schwerpunkt auf Eisacktaler Weißweinen (Sylvaner, Kerner, Riesling, Grüner Veltliner, Müller Thurgau, Gewürztraminer), dazu Rotweine (Lagrein, Pinot Nero, St. Magdalener, Schiava), Rosé, Süßwein (Moscato Rosa, Kerner Passito) und Schaumwein (Perlae). Vertrieb über eigenen Onlineshop, die Enoteca und Weinbar am Kloster sowie ein internationales Händlernetz (Deutschland, Italien, USA, Asien). Als Mitglied der Europäischen Stiftungsweingüter pflegt das Kloster zudem den Austausch mit anderen historischen Weingütern kirchlichen Ursprungs in Europa.

Besonderheiten

  • Gegründet 1142 — Augustiner Chorherrenstift, eines der ältesten aktiven Weingüter der Welt
  • 86 Hektar Rebfläche (26 eigen + 60 Vertragswinzer), ca. 800.000 Flaschen/Jahr
  • Eisacktal — nördlichstes Weinbaugebiet südlich der Alpen, inmitten der Dolomiten
  • Lagrein aus Bozen/Gries — obwohl das Kloster im Eisacktal liegt, stammen die Lagrein-Trauben aus den wärmeren Lagen bei Bozen
  • Kloster Mariaheim bei Bozen — kleines Nebenkloster, aus dem der Basis-Lagrein stammt
  • Praepositus-Linie — Spitzenweine, benannt nach dem Propst (lat. Praepositus = Vorsteher)
  • Insolitus-Linie — experimentelle Weine (Amphora, Kabi Riesling, Perlae Sekt)
  • Auch Lagrein Rosé in der Classic-Linie und als „Rosá" in der Insolitus-Linie
  • Kellermeister Celestino Lucin (zuvor Schreckbichl) — hat den Rotweinen deutlich mehr Profil verliehen
  • Museum im Kloster (Mo–Sa 10–17)
  • Mitglied der Europäischen Stiftungsweingüter

Lagrein-Weine (2)

Lagrein Riserva Praepositus

Lagrein riserva 13,5 % € 31,80 / 0,75 l (2021, ab Weingut)

Das Flaggschiff der Lagrein-Produktion — die Trauben stammen aus klostereigenen Weinbergen in **Gries (Bozen)** auf 260 m Höhe, auf sandig-lehmigem Quarz-Porphyr-Boden in Pergola-Erziehung mit nur 3.000 Reben/ha. Dunkles Purpurrot, fast schwarz im Kern mit klaren violetten Reflexen. Intensive Herzki...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Alto Adige Lagrein Riserva DOC
Ausbau: 15 Tage Maischegärung im Edelstahl (max. 28 °C), malolaktische Gärung, 24 Monate französische Barriques und Tonneaux (1/3 neu), 12 Monate Flaschenreife
Lage: Gries, Bozen (klostereigene Weinberge, St. Quirein)
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Kräftige Fleischgerichte, Wildbraten, geschmortes Lamm, reifer Käse

Lagrein

Lagrein classico 13 % (2023) € 14,20 / 0,75 l (ab Weingut)

Der Lagrein der Classic-Linie — sortentypisch, fruchtig und zugänglich. Die Trauben stammen aus der Bozner Ebene auf 260 m Höhe, auf sandig-lehmigem Schwemmlandboden in Guyot-Erziehung mit 6.000 Reben/ha. Rubinrot bis purpurrot mit leichten Violetttönen. Duft von Kirschen, Beeren, Kakao und Veilchen...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Alto Adige Lagrein DOC
Ausbau: 15 Tage Maischegärung im Edelstahl (max. 28 °C), malolaktische Gärung, 6 Monate in 60-hl-Eichenfässern
Lage: Bozen, Ebene
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Pasta mit Fleischsauce, gegrilltes Fleisch, Hartkäse

Kontakt & Info

Adresse
Stiftstraße 1, 39040 Vahrn (BZ), Italien

Steckbrief

Ort
Vahrn / Neustift
Rebfläche
86 ha (26 eigen, 60 Vertragswinzer)
Produktion
ca. 800.000 Flaschen
Kellermeister
Celestino Lucin
Gegründet
1142
Besuch
Möglich ✓

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