Kellerei Schreckbichl

Weingut | Genossenschaft

Girlan/Eppan

Geschichte und Familie

Am Fuß des Schreckbichls — einem sanften Hügel oberhalb von Girlan — wird seit über acht Jahrhunderten Wein angebaut. Schon um 1200 taucht der Name in Urkunden als „vinum schrechpuhlensis" auf. Doch die Geschichte der heutigen Kellerei beginnt erst viel später und verdankt sich einem Akt der Selbstbehauptung.

Im Februar 1960 schlossen sich 26 Weinbauern aus Schreckbichl, Girlan und Frangart zusammen, um sich von den freien Weinhändlern zu lösen, deren Auszahlungspreise weder Menge noch Qualität der Trauben gerecht wurden. Am 3. Mai 1960 begannen die Bauarbeiten, im Herbst desselben Jahres wurde bereits die erste Lese verarbeitet. Die Leitung übernahmen Karl Ortler als Obmann, Hermann Weinreich als Geschäftsführer und Karl Martini als Kellermeister. Die junge Genossenschaft wuchs rasch: 1970 zählte sie bereits 138 Mitglieder mit einem Fassungsvermögen von 16.500 Hektolitern. 1971 folgte die Fusion mit der Genossenschaft Überetsch in St. Michael-Eppan — 62 Mitglieder und 6.000 Hektoliter Produktionskapazität kamen hinzu.

Der eigentliche Wendepunkt kam 1979, als Luis Raifer die Geschäftsführung übernahm. Raifer hatte auf einer Studienreise in Kalifornien erkannt, welches Potenzial in der Südtiroler Weinlandschaft schlummerte — und dass der Schlüssel in der konsequenten Ertragsreduzierung lag. Sein Credo: „Weniger Ertrag für höherwertige Trauben und höherwertigen Wein." In den 1980er Jahren pflanzte er auf dem Lafóa-Weinberg — einem sonnenverwöhnten Rücken oberhalb der Kellerei — versuchsweise Cabernet Sauvignon und Sauvignon Blanc, wo zuvor Vernatsch gestanden hatte. Der Pilotweinberg wurde zum Prüfstein einer neuen Qualitätsphilosophie, die bald die gesamte Genossenschaft erfasste. Eine Qualitätsgruppe von 65 Premium-Mitgliedern entstand, die sich zu selektiver Handlese und strengen Ertragsprotokollen verpflichteten. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Die Kellerei Schreckbichl wurde über zehn Mal mit den begehrten Tre Bicchieri des Gambero Rosso ausgezeichnet — vor allem für den Cabernet Sauvignon Lafóa.

2005 kam Martin Lemayr als Kellermeister an Bord und setzte Raifers Qualitätsphilosophie konsequent fort. Sein persönliches Vermächtnis: die LR-Cuvée, die 2014 erstmals auf den Markt kam — eine prestigeträchtige Assemblage aus Chardonnay, Weißburgunder und Sauvignon Blanc, benannt nach den Initialen Luis Raifers. Lemayr beschreibt seinen Ansatz so: „Je gesünder und ausgereifter der Rohstoff, desto besser das Endprodukt."

Heute bewirtschaften 300 Mitgliederfamilien rund 300 Hektar Rebfläche. Im Frühjahr 2025 übernahm Franz Pardatscher — Winzer und ausgebildeter Önologe aus Eppan — das Amt des Obmanns von Maximilian Niedermayr, der die Genossenschaft 18 Jahre lang geführt hatte. An der Spitze der Geschäftsführung steht Hubert Dorfmann. Ein Betrieb mit über 40 Mitarbeitern, der den Pioniergeist der Gründerjahre bis heute lebt.

Weingüter und Lagen

Die Kellerei Schreckbichl liegt im Herzen des Überetsch — dem größten zusammenhängenden Weinbaugebiet Südtirols, rund zehn Kilometer südlich von Bozen entlang der Südtiroler Weinstraße. Malerische Dörfer, sanfte Hügel und Weingärten, soweit das Auge reicht: eine faszinierende eiszeitliche Moränenlandschaft, die seit der letzten Eiszeit das Fundament für einen außergewöhnlich vielfältigen Weinbau bildet.

Die Rebflächen erstrecken sich von 230 bis 650 Höhenmetern und profitieren von einem einzigartigen Mikroklima zwischen Alpen und Mittelmeer: rund 1.800 Sonnenstunden im Jahr, warme Tage durch die Gardasee-Winde und kühle Nächte durch die nahen Dolomiten. Dieser Temperaturwechsel verleiht den Weinen Frucht, Säure und Aromatiefe. Die Böden sind erstaunlich variabel — Moränenschotter, Porphyr, Kalk, Lehm und Sand wechseln sich auf engstem Raum ab, was es ermöglicht, jede Rebsorte am idealen Standort zu pflanzen.

Die 14 Rebsorten verteilen sich auf drei Hauptgebiete:

  • Girlan und Eppan — Das Stammgebiet der Genossenschaft. Moränenschotter mit dünner Deckschicht und Kiesel, ideale Böden für Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Chardonnay und rote Sorten wie Blauburgunder und Vernatsch. Hier liegt auch der berühmte Lafóa-Weinberg oberhalb von Girlan: 7.200 m² auf trockenem Moränenboden in leichter Südwest-Neigung, Ursprung der Qualitätsoffensive der 1980er Jahre.

  • Gries bei Bozen — Das historische Kerngebiet des Lagrein. Tiefe, warme Schwemmböden mit hohem Porphyranteil in reiner Südlage. Von hier stammen die Trauben für den Mantsch-Lagrein und den Gries-Lagrein Riserva — aus alten Pergola-Anlagen, die Jahr für Jahr konzentrierte, charaktervolle Trauben liefern.

  • Weitere Gebiete um Bozen und Salurn — Ergänzende Rebflächen für das Classic-Sortiment.

Weinbau und Keller

Raifers Qualitätsphilosophie von 1979 durchdringt noch heute jeden Arbeitsschritt: strenge Ertragsbeschränkung, selektive Handlese, schonende Verarbeitung. Die 300 Mitgliederfamilien arbeiten nach verbindlichen Anbaurichtlinien, die Kellerei unterstützt sie dabei durch ihren Weinbaubeauftragten.

2010 nahm die neue Traubenannahme nach dem Schwerkraftprinzip den Betrieb auf. Die Trauben werden oben angeliefert und fließen allein durch die Schwerkraft eine Etage tiefer zu Entrapper und Membranpressen, die besonders schonend arbeiten und wertvolle Aromastoffe bewahren. Je nach Rebsorte und Qualitätslinie wird anschließend in Edelstahltanks, Betontanks oder kleinen und großen Holzfässern ausgebaut.

Im Dezember 2024 wurde ein umfassendes Renovierungsprojekt abgeschlossen. Die in die Jahre gekommenen Keller aus den 1960er Jahren wurden komplett modernisiert und mit 30 neuen Edelstahltanks, neuen Laufstegen und einem großzügigen Barrique-Keller ausgestattet. Der neue Gebäudetrakt — entworfen in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Bergmeisterwolf — verbindet modernes Design mit der Weinbautradition: Holz als Symbol für Eichenfässer, Edelstahl für die moderne Kellertechnik.

Nachhaltigkeit ist kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis: Seit 2009 erzeugt eine Photovoltaikanlage rund 60 % des Strombedarfs, ein Wärmerückgewinnungssystem deckt 70 % des Warmwasserbedarfs. Die Kellerei Schreckbichl ist — gemeinsam mit der Kellerei Bozen — eine der ersten KlimaHaus-Wine-zertifizierten Kellereien Südtirols.

Produktion und Vertrieb

Aus 14 Rebsorten — 65 % Weißwein, 35 % Rotwein — entstehen Weine in sechs Qualitätslinien, die wie eine Pyramide aufgebaut sind:

  • Classic — Reinsortige Weiß- und Rotweine mit viel Frucht und Typizität: der Einstieg ins Sortiment (16 Weine).
  • Selektionen — Ausgesuchte Rebberge, niedrige Erträge, unverwechselbare Eleganz. Hier findet sich unter anderem der Mantsch Lagrein Riserva (12 Weine).
  • Lagenlinie — Klassifizierte Einzellagen, stark reduzierte Erträge, Ausbau in Premium-Eiche: der höchste Ausdruck des jeweiligen Terroirs. Darunter der Gries Lagrein Riserva (3 Weine).
  • Lafóa — Aus alten, ertragsarmen Reben des gleichnamigen Pilotweinbergs: Weine von kraftvoller Struktur, Finesse und großem Reifepotenzial (5 Weine).
  • Gran Lafóa — Eine Hommage an die Geschichte: streng limitierte Edition aus den ältesten Reben des Lafóa-Weinbergs. Der Sauvignon Riserva Gran Lafóa 2022 wurde von Gambero Rosso zum besten Weißwein des Jahres 2025 gekürt (1 Wein).
  • LR — Die Krone: eine Weißwein-Cuvée aus Chardonnay, Weißburgunder und Sauvignon Blanc, benannt nach Luis Raifer. 12 Monate in Eichenfässern, 12 Monate Flaschenreifung, mindestens drei Jahre bis zur Freigabe (1 Wein).

Die Weine werden in Südtirol, Italien, Deutschland, den USA und Russland vertrieben. In Deutschland arbeitet die Kellerei mit der Handelsagentur Kunz in Esslingen. Vor Ort lädt seit Dezember 2024 der komplett neu gestaltete Wine Shop zum Verkosten und Kaufen ein — ein lichtdurchfluteter Raum mit raumhohen Fensterfronten und Blick auf die Girlaner Rebhänge. Ein stilisierter Turm an der Ostseite des Neubaus bietet ein 360°-Panorama von den Mendeln über die Texelgruppe bis nach Bozen. Die Dachterrasse — eine grüne Oase mit Rasen und bepflanzten Inseln — und ein moderner Veranstaltungsraum mit Küche runden das Erlebnis ab.

Besonderheiten

  • 300 Winzerfamilien, 300 ha Rebfläche (230–650 m ü.d.M.)
  • 14 Rebsorten: 65 % Weißwein, 35 % Rotwein
  • 6 Qualitätslinien: Classic, Selektionen, Lagenlinie, Lafóa, Gran Lafóa, LR
  • Gegründet 1960 als eine der jüngsten Kellereien Südtirols
  • Qualitätsoffensive ab den 1980ern unter Luis Raifer (Ertragsreduzierung)
  • 2010: Neue Traubenannahme nach Schwerkraftprinzip mit Membranpressen
  • Erste KlimaHaus-Wine-Kellerei Südtirols (zusammen mit Kellerei Bozen)
  • Mantsch-Lagrein stammt aus Gries, dem historischen Kerngebiet des Lagrein

Lagrein-Weine (2)

Mantsch — Lagrein Riserva Südtirol DOC

Lagrein riserva 13 % vol. € 22,00 / 0,75 l (Jg. 2022, Masterwein)

Der **Mantsch** ist der Premium-Lagrein der Kellerei Schreckbichl aus der **Lagenlinie (Praedium Selection)**. Die Trauben stammen aus alten Pergola-Anlagen in **Gries bei Bozen** — dem historischen Kerngebiet des Lagrein — auf Schwemmsandböden mit hohem Porphyranteil in reiner Südlage. Nach der Mai...

Rebsorte: Lagrein 100 %
Klassifikation: Südtirol DOC Lagrein Riserva (Selektionen)
Ausbau: Maischegärung 28–30 °C Edelstahl, 12 Monate 1/3 Barrique + 2/3 35-hl-Holzfässer, 12 Monate Flaschenreifung
Lage: Gries, Bozen, Südlage
Trinktemperatur: 16 °C
Passt zu: Gebratenes und gegrilltes Rindfleisch, Lammrücken, Wildgerichte, gereifter Käse

Lagrein — Südtirol DOC

Lagrein classico 13 % vol. € 12,95 / 0,75 l (Jg. 2024, Masterwein — nur Rosé gelistet, Preis geschätzt)

Der klassische **Lagrein** der Kellerei Schreckbichl aus der **Classic-Linie** — ein vielseitiger, zugänglicher Rotwein aus der autochthonen Rebsorte Südtirols. 8 Tage Maischestandzeit in Edelstahltanks, anschließend Reifung in Betontanks und großen Holzfässern. Dunkelgranatrot mit Veilchennuancen,...

Rebsorte: Lagrein 100 %
Klassifikation: Südtirol DOC (Classic)
Ausbau: 8 Tage Maische in Edelstahltanks, malolaktische Gärung, Reifung in Betontanks und großen Holzfässern
Trinktemperatur: 16 °C
Passt zu: Südtiroler Speck, Rohwurst, gebratenes Rind, Wildgerichte

Kontakt & Info

Adresse
Weinstraße 8, I-39057 Girlan/Eppan (BZ), Italien

Steckbrief

Ort
Girlan/Eppan
Rebfläche
300 ha (300 Mitgliederfamilien)
Kellermeister
Martin Lemayr
Gegründet
1960
Besuch
Möglich ✓

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