Kellerei Meran

Weingut | Genossenschaft

Marling

Geschichte und Familie

Die Geschichte der Kellerei Meran beginnt im Jahr 1901, als sich eine kleine Gruppe von Weinbauern in Marling zusammenschloss und die Burggräfler Kellerei gründete — mitten im Herzen des Meraner Weinlands, wo Reben seit Jahrhunderten an den sonnenverwöhnten Hängen über dem Etschtal gedeihen. Es war die Zeit der aufkommenden Genossenschaftsbewegung in Südtirol, als Bauern erkannten, dass sie gemeinsam stärker sind als allein.

Parallel dazu formierte sich 1909 die Kellereigenossenschaft Algund, nur wenige Kilometer westlich. Und 1952 entstand in der Stadt Meran selbst die Weinkellerei Meran, die das urbane Publikum der Kurstadt mit lokalen Weinen versorgte. Drei Genossenschaften, drei Identitäten — aber alle verwurzelt in derselben Landschaft.

Der erste große Zusammenschluss kam 1984: Die Kellereigenossenschaft Algund fusionierte mit der Kellereigenossenschaft Marling zur Kellerei Meran Burggräfler. Doch der entscheidende Schritt folgte erst ein Vierteljahrhundert später: Im Juli 2010 verschmolzen die Burggräfler Kellerei und die Weinkellerei Meran zur heutigen Kellerei Meran — der größten Kellerei im westlichen Südtirol.

Heute führt Kaspar Platzer als Obmann die Genossenschaft. Am Puls des Kellers steht Stefan Kapfinger, der als Kellermeister und Önologe die Philosophie der Kellerei verkörpert. Sein Leitsatz: „Der Wein soll seinen eigenen Weg gehen, ich begleite ihn nur auf seiner Reise — mit viel Geduld und manchmal auch Nervenstärke." Hannes Paris verantwortet als Verwaltungsleiter die Organisation, Michael Haller berät die Mitglieder als Weinbauberater direkt in den Weinbergen. 2026 feiert die Kellerei ihr 125-jähriges Jubiläum.

Weingüter und Lagen

Rund 360 Mitgliederfamilien bewirtschaften etwa 260 Hektar Rebfläche — die allermeisten als kleine Familienbetriebe, die ihre Parzellen seit Generationen in mühevoller Handarbeit pflegen. Das Besondere: Die Weinberge erstrecken sich über zwei grundverschiedene Klimazonen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Das Meraner Becken (280–600 m) — Hier dominiert mediterranes Flair. Milde Temperaturen, geschützt von den Bergen im Norden, durchströmt von warmen Talwinden. In den Gemeinden Algund, Dorf Tirol, Kuens, Riffian, Schenna, Marling, Tscherms und Lana wachsen die Reben an sonnendurchfluteten Hängen auf Moränen- und Porphyrböden. Vernatsch und Lagrein fühlen sich in den tieferen, wärmeren Lagen besonders wohl, während Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer die höheren, kühleren Terrassen bevorzugen. Der Segenbühel bei Meran — die wärmste und trockenste Stelle im Meraner Raum — ist die Heimat des Spitzen-Lagrein „Segen". Am legendären Küchelberg oberhalb von Meran gedeiht der Meraner Vernatsch, und der Tappeinerweg bei Freiberg liefert den Cabernet für die Riserva Graf.

Der Vinschgau (450–850 m) — Das genaue Gegenteil: trocken, windig, mit extremen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Eines der höchstgelegenen Weinbaugebiete Europas. Hier, von Algund bis Kastelbell, bringen Kerner, Weißburgunder, Vernatsch und Blauburgunder mineralische Bergweine hervor, die von heißen Tagen und kühlen Nächten erzählen — eigenwillige Sonnenbotschafter einer einzigartigen Landschaft.

Weinbau und Keller

Stefan Kapfinger versteht sich als „Geburtshelfer" der Weine. Die im Weinberg erreichte Traubenqualität soll im Keller bewahrt, nicht verändert werden. Die Philosophie: Transparenz, Charakter und Authentizität — jeder Wein soll seine Herkunft im Glas erlebbar machen. Die Lese erfolgt überwiegend von Hand, besonders in den steilen Parzellen.

Nach der Fusion investierte die Kellerei massiv in ihre Infrastruktur. Der renommierte Südtiroler Architekt Werner Tscholl (geb. 1955, Morter/Vinschgau) entwarf den Neubau am Stammsitz in Marling — nach 18 Monaten Bauzeit wurde er im Juni 2013 feierlich eröffnet. Die Zahlen beeindrucken: 630 Tonnen Stahl, 91 Tonnen Eichenholz und 900 m² Glas wurden verbaut. Tscholl setzte auf schonende Flächennutzung und den Erhalt bestehender Strukturen. Sein Meisterstück: die Panorama-Önothek — ein Glaspavillon auf dem Dach des Gebäudes mit 360-Grad-Ausblick über das weite Meraner Becken und die schneebedeckten Berge. Im Innern durchziehen verspiegelte Rohre das Gebäude und leiten Tageslicht bis in die tiefsten Kellerräume.

Unter der Erde lagern Barriques und Tonneaux neben modernen Edelstahltanks — die Verbindung von Tradition und Technologie zieht sich durch die gesamte Kellerei. Seit 2022 betreibt die Kellerei zudem die City.Vinothek in den historischen Meraner Lauben — im ehemaligen Stammhaus der Kellerei Algund, ebenfalls von Werner Tscholl renoviert (24 Monate Bauzeit, 200 m² Vinothek). Hier produziert die Kellerei ihren Brut Riserva 36 nach der klassischen Flaschengärung — den ersten Südtiroler DOC-Sekt des Hauses. Direkt gegenüber befindet sich die einzige und älteste Destillerie Merans, in der seit über 150 Jahren Grappa nach handwerklicher Tradition gebrannt wird.

Produktion und Vertrieb

35 Weine aus 16 Rebsorten — davon drei autochthone Sorten (Vernatsch, Lagrein, Gewürztraminer) — gliedern sich in vier Qualitätslinien:

  • Festival — Sortentypische, authentische Weine mit alpin-mediterranem Charakter und ausgezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die zugängliche Basislinie.
  • Graf — Elegante, charakterstarke Weine, veredelt durch konsequente Ertragsreduzierung in ausgewählten Weinbergen. Besondere Harmonie und Fülle.
  • Vinschgau — Mineralische Bergweine aus einer der höchsten Weinbauregionen Europas. Eigenwillige Sonnenbotschafter, geprägt von extremem Klima.
  • Weinberge & Raritäten (Vineyard Range) — Die Diamantspitze: Erlesene Selektionsweine aus Einzellagen, ausschließlich in hervorragenden Erntejahren produziert. Jeder Wein ist ein Solist.

Ergänzt wird das Portfolio durch Grappa (Graf Gewürztraminer, Graf Goldmuskateller, Sissi Passito), den Brut Riserva 36 (DOC-Sekt, metodo classico) und die Special Edition Amadeo — eine eigene Interpretation des portugiesischen Portweins, über 6 Jahre in neuen Barriques gereift.

Die Kellerei verfügt über keinen eigenen Webshop, vertreibt aber über ein breites Netzwerk: Das Meraner Weinhaus fungiert als quasi hauseigener Online-Shop, daneben sind die Weine bei Pur Südtirol, Vinusta, Karadarshop und zahlreichen weiteren Händlern in Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich. Den überregionalen Vertrieb übernimmt Palorino in Neumarkt. Die Kellerei ist IFS- und HACCP-zertifiziert und war unter anderem beim Rheingau Gourmet & Wein Festival vertreten.

Besonderheiten

  • Kellereigenossenschaft mit über 360 Mitgliedern, hervorgegangen aus drei historischen Fusionen (1901/1952/2010)
  • 260 ha Rebfläche im Burggrafenamt (Meran und Umgebung bis Vinschgau)
  • 4 Weinlinien: Festival (Basis), Graf (gehobene Qualität), Vinschgau (Bergweine), Weinberge & Raritäten (Einzellagen-Selektion)
  • 35 Weine aus 16 Rebsorten, davon 3 autochthone Sorten (Lagrein, Vernatsch, Goldmuskateller)
  • Panorama-Önothek in Marling mit Ausblick über das Meraner Becken und die schneebedeckten Berge
  • Moderne City.Vinothek mit Sektkellerei im Herzen von Meran (Lauben)
  • IFS- und HACCP-zertifiziert
  • Special Edition „Amadeo" — eigene Portwein-Interpretation, über 6 Jahre in neuen Barriques gereift

Lagrein-Weine (3)

Lagrein Riserva "Segen" — Weinberge & Raritäten

Lagrein riserva 14,5 % vol. € 31,85 / 0,75 l (Jg. 2021, Meraner Weinhaus)

Der Spitzen-Lagrein der Kellerei Meran aus der höchsten Qualitätslinie „Weinberge & Raritäten", die ausschließlich in hervorragenden Erntejahren aus exzellenten Einzellagen produziert wird. Der Name „Segen" verweist auf den Segenbühel, die wärmste und trockenste Lage im Meraner Raum. Dreißigjährige...

Rebsorte: Lagrein 100 %
Klassifikation: Südtirol Lagrein Riserva DOC
Ausbau: 10–15 Tage Gärung in Spezialtanks, biologischer Säureabbau, 16 Monate Barriques (225 l)
Lage: Segenbühel, Meran, 300–400 m
Trinktemperatur: 16 °C
Passt zu: Wild, dunkles Fleisch und Hartkäse. Meditationswein.

Lagrein "Graf"

Lagrein classico 14,0 % vol. € 19,65 / 0,75 l (Jg. 2023, Meraner Weinhaus)€ 21,30 / 0,75 l (Jg. 2023, Pur Südtirol)

Aus der Qualitätslinie „Graf", die durch konsequente Ertragsreduzierung in ausgewählten Weinbergen besondere Harmonie und Fülle erreicht. Trauben von 10–25-jährigen Reben aus Algund, Lana, Meran und Tscherms auf Moränenboden in 300–400 m Höhe. Temperaturkontrollierte Gärung über 10–15 Tage mit ansch...

Rebsorte: Lagrein 100 %
Klassifikation: Südtirol Lagrein DOC
Ausbau: 10–15 Tage temperaturkontrollierte Gärung, biologischer Säureabbau, mehrere Monate gebrauchte Barriques und Tonneaux
Lage: Algund, Lana, Meran, Tscherms, 300–400 m
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Wild, Rotfleisch und Hartkäse.

Merlot-Lagrein "Graf"

Cuvee mit lagrein 14,5 % vol. € 19,65 / 0,75 l (Jg. 2023, Meraner Weinhaus)

Cuvée aus der „Graf"-Linie, die regionalen Lagrein mit internationalem Merlot vereint. Trauben von 10–20-jährigen Reben aus Lagundo und Meran auf leichtem, durchlässigem Moränenboden in 300–400 m Höhe. Gärung in Spezialtanks (ca. 10 Tage) mit Maischebewegung, anschließend biologischer Säureabbau und...

Rebsorte: Merlot, Lagrein (Cuvée)
Klassifikation: Südtirol Merlot-Lagrein DOC
Ausbau: Ca. 10 Tage Gärung in Spezialtanks mit Maischebewegung, biologischer Säureabbau, neue und gebrauchte Barriques sowie kleine Eichenfässer
Lage: Lagundo, Meran, 300–400 m
Trinktemperatur: 16 °C
Passt zu: Wild, klassische Fleischgerichte und Hartkäse.

Kontakt & Info

Steckbrief

Ort
Marling
Rebfläche
260 ha
Kellermeister
Stefan Kapfinger
Gegründet
1901
Besuch
Möglich ✓

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