Kellerei Kurtatsch
📍 Kurtatsch · Gegründet 1900 · Genossenschaft
Geschichte und Familie
1900 gründeten die Weinbauern von Kurtatsch ihre Kellereigenossenschaft und wählten den Ansitz Freienfeld als Gründungssitz — ein 1521 errichtetes Gebäude im Dorfzentrum, das bis heute den ikonischen Riserva-Weinen der Kellerei seinen Namen leiht. Die Genossenschaft war von Beginn an auf Quantität ausgerichtet, wie es der damalige Markt verlangte, und zählte bald zu den produktivsten des Unterlands.
Ab 1923 entstand ein neues Kellereigebäude direkt an der Südtiroler Weinstraße, wo die Kellerei bis heute ihren Sitz hat. Der eigentliche Qualitätswandel begann in den 1990er-Jahren unter Kellermeister Othmar Donà, der über drei Jahrzehnte die Philosophie der Kellerei grundlegend veränderte: weg von der Masse, hin zu lagentreuen Terroir-Weinen. Donà erkannte das Potenzial der steilen, heißen Südlagen für internationale Rotweinsorten und erweiterte die Anbaufläche für Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon um mehr als 65 Prozent. Seine Vision mündete in zwei ikonische Weine — FREIENFELD und die Spitzencuvée TRES —, die der Kellerei internationales Ansehen verschafften. In seinen letzten neun Dienstjahren stieg der Wert der Kellerei um 110 Prozent.
Im April 2023 übergab Donà den Stab an Erwin Carli, der zuvor zehn Jahre als Agronom und stellvertretender Önologe in der Kellerei gearbeitet hatte und die 190 Weinberge so gut kannte wie kein anderer. Der Wechsel war lange geplant und steht für Kontinuität mit neuem Forscherdrang: Carli experimentiert mit alternativen Hefen zur Alkoholreduktion und treibt Maßnahmen zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks voran. An der Spitze der Genossenschaft steht Obmann Andreas Kofler, der gemeinsam mit einem 27-köpfigen Team und den 190 Mitgliederfamilien das Motto „Gemeinsam seit 1900" lebt. Im Logo stehen drei Zypressen für die drei Werte der Kellerei: ein junges, dynamisches Team — ein einzigartiges Terroir — ein familiärer, bodenständiger Ansatz.
2026 wurde die Kellerei Kurtatsch vom Weinführer Henris (unter Leitung von Otto Geisel) als „Kellerei des Jahres" ausgezeichnet; der TRES 2018 erhielt mit 98 Punkten den Titel „Rote Rarität des Jahres". Im selben Jahr errang der FREIENFELD Cabernet Sauvignon Riserva 2022 den Titel „Bester Südtiroler Rotwein" und einen Platz unter den Top 100 Rotweinen Italiens.
Weingüter und Lagen
190 Hektar Rebfläche auf 220 bis 900 Höhenmetern in einem einzigen Weinbaudorf — ein Höhenunterschied von fast 700 Metern, der in Europa einzigartig ist. 80 Prozent der Weinberge liegen an Steilhängen, 70 Prozent im Gemeindegebiet Kurtatsch. Die 190 kleinstrukturierten Familienbetriebe bewirtschaften ihre Parzellen individuell; die Kellerei selektioniert das Traubenmaterial lagentreu für ihre verschiedenen Weinlinien.
Das Klima ist alpin-kontinental mit mediterranem Einfluss: rund 300 Sonnentage im Jahr, Tagestemperaturen bis 28 °C und nächtliche Abkühlung auf 15 °C durch katabatische Fallwinde vom Mendelkamm. Diese extremen Tag-Nacht-Unterschiede sind der Schlüssel zu aromatischer Tiefe und lebendiger Säure.
Die sieben benannten Terroir-Lagen zeigen die geologische Vielfalt eindrucksvoll:
- Brenntal (220–300 m): Einer der heißesten Weinbaustandorte Südtirols mit Temperaturen bis 40 °C. Roter, sandiger Lehmboden mit Kies. Heimat von Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon — und der Spitzencuvée TRES.
- Mazon (350–450 m): Eine der renommiertesten Pinot-Noir-Lagen Italiens. Sandig-lehmiges Konglomerat mit Tonmineralen. Wenig Nachmittagssonne, milde Abendsonne.
- Glen (450–700 m): Steiler und sonnenintensiver als Mazon, ebenfalls Pinot Noir. Ergibt besonders elegante, filigrane Weine.
- Penon-Kofl (450–600 m): Dolomitreicher, durchlässiger Kalkboden. Sauvignon Blanc profitiert vom frühen Sonnenuntergang hinter dem Bergrücken und den kühlen Abendwinden.
- Penon-Hofstatt (500–650 m): Dolomit, Quarz, Glimmer und Tonminerale. Große Tag-Nacht-Amplitude. Weißburgunder mit mineralischem Ausdruck; die traditionellen Trockensteinmauern des Weilers zeugen vom mineralreichen Untergrund.
- Penon (450–700 m): Durchlässige, kalkreiche Dolomitböden, Ostexposition. Pinot Grigio mit frischer Aromatik und lebendiger Säure.
- Graun (800–900 m): Zu den höchsten Weinbaulagen Südtirols zählend. Sandig-lehmiger Dolomit mit Quarzmineralen, höchste Sonneneinstrahlung der Region. Hier wächst kälteresistenter Müller-Thurgau.
Der Lagrein für die Riserva FLUVIA gedeiht auf 300–350 m in einer Südost-Steillage auf schluffig-kiesigen Sedimentböden, reich an Dolomit — auf jenem Schwemmkegel, den die Flüsse über Jahrtausende geformt haben und der dem Wein seinen Namen gab.
Weinbau und Keller
„Hervorragende Weine entstehen im Weinberg" — dieser Leitsatz bestimmt die Arbeit der Kellerei. Das von Othmar Donà über ein Jahrzehnt entwickelte Konzept „Lage für Lage, Wein für Wein" basiert auf systematischen Mikrovinifikationen, um für jede Rebsorte die optimale Lagenkombination zu finden. Kellermeister Erwin Carli führt diese Forschungsarbeit fort und passt sie an die Veränderungen durch den Klimawandel an: Für Rotweine hat der wärmere Trend sogar Vorteile gebracht, bei Weißweinen ermöglicht die Höhenspanne das Ausweichen in kühlere Lagen, um Finesse und Mineralität zu bewahren.
Die 190 Mitgliederfamilien bewirtschaften ihre Weinberge im Rahmen eines gemeinsam konzipierten Nachhaltigkeitsprogramms mit streng kontrollierten Erträgen. Erziehungssysteme sind Drahtrahmen und Pergola, je nach Lage und Sorte. Das Sortiment umfasst 15 Rebsorten: auf der weißen Seite Weißburgunder, Chardonnay, Pinot Grigio, Müller-Thurgau, Sauvignon, Gewürztraminer, Goldmuskateller, Bronner und Kerner; auf der roten Vernatsch (darunter die Spielart Grauvernatsch), Lagrein, Blauburgunder, Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.
Im Keller setzt die Kellerei auf lagentreuen Einzelausbau: Die TERROIR-Weine werden separat nach Herkunft vinifiziert und tragen vorwiegend die Namen ihrer Lagen. Die warmen Tieflagen liefern langlebige, strukturierte Rotweine — die Riserva FLUVIA beispielsweise reift 12 Monate in französischen Barriques und großen Eichenfässern —, während die Höhenlagen frische, mineralische Weißweine hervorbringen. Carlis Innovationsgeist zeigt sich in Versuchen mit alternativen Hefen, die weniger Alkohol produzieren, und in konkreten Maßnahmen zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks in Keller und Weinberg.
Produktion und Vertrieb
Mit rund 1,6 Millionen Flaschen Jahresproduktion und 32 Weinen im Sortiment gehört die Kellerei Kurtatsch zu den kleineren Genossenschaften Südtirols. Der Absatz verteilt sich auf 40 % Südtirol, 30 % Italien und 30 % Ausland.
Das Sortiment gliedert sich in klar definierte Linien: Die TERROIR-Linie als Spitzensortiment mit Einzellagenausbau — einige dieser Weine kommen nur in den allerbesten Jahren in die Flasche und tragen den Namen des Gründungssitzes Freienfeld. Die SELECTION-Linie bietet die erste Selektion der Kurtatscher Weinberge mit reduzierten Erträgen. Die Spitzencuvée TRES, im September 2022 erstmals präsentiert, vereint Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon aus selektionierten Kleinstparzellen der Lage Brenntal — nur in den besten Jahrgängen abgefüllt, mit einem von Hand in Weinbergserde bemalten Etikett. Ergänzt wird das Programm durch Flein, einen alkoholfreien Traubensaft vom Vernatsch.
Die Kellerei vertreibt über einen eigenen Webshop, ein breites deutsches Händlernetz (Hawesko, Weinfreunde, Gerardo, WirWinzer, Die Online Traube) sowie über Pur Südtirol und ThalerWine. Die TERROIR-Weine sind darüber hinaus im Fachhandel und in der gehobenen Gastronomie erhältlich. Die Vinothek an der Weinstraße empfängt Besucher montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr, samstags bis 18 Uhr. Besonderes Highlight ist die Kurtatscher Weinexpedition: eine ganztägige Erlebniswanderung (12 km, 700 m Abstieg) durch die Lagen von Graun bis Brenntal mit 12 Verkostungen aus der TERROIR-Linie, Brettljause und 3-Gang-Menü in den Partnerrestaurants Terzer und Schwarz Adler — für 120 Euro pro Person buchbar über das Besucherportal der Kellerei.
🍷 Lagrein-Weine (2)
Fluvia
Die älteste autochthone Rebsorte Südtirols, vinifiziert als Riserva der Terroir-Linie. Der Name leitet sich vom lateinischen *Fluvius* (Fluss) ab und verweist auf die Flüsse, die die Schwemmkegel formten, welche den Lagrein-Böden ihre charakteristische Struktur verleihen. Die Trauben stammen aus ein...
Lagrein
Die Selection-Linie steht für die erste Selektion der Kurtatscher Weinberge mit reduzierten Erträgen und streng kontrolliertem Anbauprogramm. Der Lagrein stammt aus der ersten Hügellage von Kurtatsch auf lehmhaltigen, sandigen Schotterböden — ein warmer Standort, der der wärmeliebenden Rebsorte idea...
Besonderheiten
- • **Henris „Kellerei des Jahres" 2026** und TRES 2018 als „Rote Rarität des Jahres" (98 Punkte)
- • Einzigartige Höhenspanne von **220–900 m** in einem Weinbaudorf — in Europa einmalig
- • **80 % Hanglagen**, 70 % der Weinberge im Gemeindegebiet Kurtatsch
- • **190 Mitglieder**, 190 ha, 27 Mitarbeiter — eine der kleinsten Kellereigenossenschaften Südtirols
- • Absatzmärkte: 40 % Südtirol, 30 % Italien, 30 % Ausland
- • Weinlinien: TERROIR (Spitzenlinie, lagentreuer Einzelausbau), SELECTION (erste Selektion), TRES (Spitzencuvée, nur in den besten Jahren), Flein (Traubensaft)
- • Erziehungssysteme: Drahtrahmen und Pergola
- • Architektonisch beeindruckende Vinothek (Neubau)
Kontakt
- Adresse
- Weinstraße 23, 39040 Kurtatsch
- Telefon
- +39 0471 880 115
- info@kellerei-kurtatsch.it
- Website
- www.kellerei-kurtatsch.it
Steckbrief
- Rebfläche
- ca. 190 ha
- Produktion
- ca. 1,6 Mio. Flaschen
- Kellermeister
- Erwin Carli
- Gegründet
- 1900
- Besuch
- Möglich ✓