Kellerei Girlan

📍 Girlan/Eppan · Gegründet 1923 · Genossenschaft

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Geschichte und Familie

Wer in Girlan von Wein spricht, spricht von einer über tausendjährigen Tradition — urkundlich ist der Weinbau im Dorf seit 1085 belegt. Aber der Beginn der genossenschaftlichen Geschichte liegt im Jahr 1923: Damals schlossen sich 24 Weinbauern zusammen und gründeten ihre Kellerei in einem historischen Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert, der bis heute das Herz des Betriebs bildet. Hinter den traditionsreichen Mauern und in den weitverzweigten Kellergängen verbergen sich ideale Lagerbedingungen, die kein moderner Bau so einfach nachahmen kann.

Das erste halbe Jahrhundert war geprägt vom Aufbau — und von einer bemerkenswerten Abspaltung: 1960 gründeten 28 ehemalige Mitglieder eine eigene Genossenschaft, die Kellerei Schreckbichl, um sich vom damals vorherrschenden Massenweinmarkt abzusetzen. Was als Bruch begann, wurde zum produktiven Wettbewerb: Beide Kellereien teilen sich seither den Girlaner Raum und haben sich gegenseitig zu Spitzenleistungen angespornt.

1998 übernahm die Kellerei Girlan die traditionsreiche Marke H. Lun — eine der ältesten Südtiroler Privatmarken, gegründet 1840 von Alois H. Lun, der als einer der Ersten die besten Südtiroler Weine unter eigenem Namen auf Flaschen abfüllte. Girlan führt H. Lun seither bewusst als eigenständige Premiumlinie mit eigenem Sortiment, eigener Vinothek und eigenem Qualitätsanspruch.

Der Wendepunkt in der jüngeren Geschichte: 2010 wurde die Kellerei mit modernster Technologie ausgestattet, ohne den historischen Charakter des Bauernhofs aufzugeben. Die Verbindung aus jahrhundertealten Kellergängen und zeitgemäßer Vinifikation — das ist der Kern dessen, was die Kellerei Girlan heute ausmacht. Unter der Leitung von Obmann Oscar Lorandi sind es inzwischen rund 200 Winzerfamilien, die rund 230 Hektar in den besten Lagen des Überetsch und Unterlandes bewirtschaften.

Weingüter und Lagen

Die Rebflächen der Kellerei Girlan erstrecken sich über zwei grundlegend verschiedene Anbaugebiete, die zusammen ein außergewöhnliches Spektrum an Terroirs bieten.

Das Überetsch — die höher gelegene Hügellandschaft zwischen Eppan, Girlan und dem Kalterer See — bildet das Herzstück. Hier liegen die Weinberge auf 400 bis 550 Metern auf vulkanischem Porphyr mit Moränenablagerungen aus der Eiszeit. Das sind die klassischen Böden für Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon, aber auch für den Pinot Noir, der hier seit den 1980er-Jahren seine zweite Heimat gefunden hat. Besonders hervorzuheben sind die Lagen bei Girlan selbst (450–500 m, Porphyr mit Moräne), Pinzon (400–450 m, südwestexponiert, kalkhaltige Tonböden) und das legendäre Mazon (360–430 m, westexponiert, Kalk-Lehm) — eine Lage, die international als eine der besten Pinot-Noir-Lagen Italiens gilt.

Das Unterland — tiefer gelegen, wärmer, mit sandigen, tiefgründigen Schwemmböden auf 280 bis 400 Metern — ist das Revier des Lagrein und der kräftigeren Rotweine. Die hohen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sorgen dafür, dass der Lagrein hier seine intensive Aromatik entwickeln kann.

Das Klima ist alpin-kontinental und zugleich mediterran beeinflusst: über 300 Sonnentage im Jahr, die schützende Barriere der Alpen gegen kalte Nordwinde und die warmen Luftströmungen, die vom Gardasee heraufziehen. Die enorme Spannweite der Lagen — vom Müller Thurgau auf 500 bis 900 Metern Höhe bis zum Lagrein in den warmen Talböden — erklärt die Vielfalt des Sortiments.

Weinbau und Keller

Der Mann, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, ist Kellermeister Gerhard Kofler. Er pflegt über die gesamte Vegetationsperiode hinweg engen, persönlichen Kontakt zu den 200 Winzerfamilien — berät beim Rebschnitt, beobachtet den Reifeverlauf, entscheidet gemeinsam über den Lesezeitpunkt. Dieser direkte Erfahrungsaustausch zwischen Kellerei und Weinberg ist die Grundlage für das Qualitätsstreben, das Girlan in den letzten zwei Jahrzehnten an die Spitze der Südtiroler Genossenschaften gebracht hat. Unterstützt wird er von seinem zweiten Kellermeister Davide Lucin.

Im Weinberg setzt Girlan konsequent auf nachhaltige Bewirtschaftung: Bodenbegrünung mit Leguminosen, organische Kompostdüngung, reduzierter Bewässerungseinsatz über Tropfsysteme und minimierter Pflanzenschutz mit natürlichen Methoden — darunter die Verwirrtechnik gegen den Traubenwickler. Eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Kellereidach deckt einen Großteil des Energiebedarfs, die unterirdische Kellerlagerung im historischen Gewölbe reduziert den Verbrauch zusätzlich. 2024 kam ein weiteres Signal: Die Umstellung auf Lightweight-Flaschen (410 g), die über das gesamte Sortiment ausgerollt wird und den CO₂-Fußabdruck pro Flasche um rund 30 % senkt.

Im Keller wird mit Sorgfalt statt Routine gearbeitet. Die Trauben werden von Hand gelesen und in kleinen Behältern angeliefert. Je nach Wein und Linie kommen unterschiedliche Ausbaumethoden zum Einsatz: temperaturkontrollierte Gärung im Edelstahl für die Classici, 12 bis 20 Monate Barrique- und Großholzreifung für die Riserva-Weine der Solisti- und Flora-Linie, Betonbehälter für bestimmte Rotweine. Die Ergebnisse dieser Arbeit haben internationales Format: Der Trattmann Pinot Noir Riserva wurde 13 Jahre in Folge mit den „Tre Bicchieri" des Gambero Rosso ausgezeichnet — ein Rekord, der in Südtirol seinesgleichen sucht. Der Vigna Ganger Pinot Noir Riserva erreichte 96+ Punkte bei Robert Parker, und der Gschleier Alte Reben Vernatsch — aus 80 bis 110 Jahre alten Reben — wurde vom Decanter Magazine als „Italy's Wine of the Year" prämiert.

Ein besonderes Kapitel ist das Cellar Reserve-Programm: Ausgewählte Flaschen alter Jahrgänge werden im Keller zurückgehalten, bei Bedarf individuell inspiziert, nachverkorkt und mit einer speziellen Cellar-Reserve-Kapsel versehen — ein Zeichen dafür, dass Girlan seinen besten Weinen die Zeit gibt, die sie brauchen.

Produktion und Vertrieb

Das Sortiment ist in fünf klar profilierte Linien gegliedert, die zusammen das gesamte Spektrum vom zugänglichen Einstiegswein bis zum großen Lagerwein abdecken:

Die Classici bilden die Basis — sortentypische, harmonische Weine mit frischer Frucht und saliner Mineralität. Die Vigneti setzen einen Schritt höher an: selektionierte Trauben aus den besten Lagen, einzeln vinifiziert, mit eigenem Charakter. Die Flora-Linie — deren Etiketten vom Südtiroler Künstler Paul Flora gestaltet wurden — unterliegt den strengsten Qualitätskontrollen und zeigt das Potenzial einzelner Sorten und Lagen auf Spitzenniveau. An der Spitze stehen die Solisti: Flaggschiffweine, die die Geschichte der Kellerei geprägt haben — der Gschleier, der Trattmann, die Curlan-Riserven. Und als eigenständiger Schwerpunkt die Pinot Noir-Kollektion: sechs Weine von der leichten Rosé-Interpretation bis zur komplexen Einzellagen-Riserva, aufgebaut seit den 1980er-Jahren, als die Rebfläche von 20 auf 40 Hektar erweitert wurde.

Neben dem Girlan-Sortiment wird die historische Marke H. Lun (seit 1840) als eigenständige Premiumlinie weitergeführt — mit eigenem Sortiment von 18 Weinen in zwei Linien, eigener Vinothek und eigenem Vertrieb.

Der Vertrieb läuft über ein breites Netzwerk internationaler Partner — darunter Galperino und Tesdorpf in Deutschland, Pur Südtirol und weitere Südtiroler Fachhändler. Dazu kommt der Wine Club, der exklusiven Zugang zum Webshop, zu Cellar-Reserve-Abfüllungen und zu privaten Verkostungserlebnissen bietet. Wer die Weine direkt probieren möchte, ist in der Vinothek im historischen Bauernhof willkommen — geöffnet Montag bis Freitag, samstags halbtags, in der Erntezeit September/Oktober mit erweiterten Samstagsöffnungszeiten bis 17 Uhr.

🍷 Lagrein-Weine (2)

Lagrein

Lagrein classico 13,0 % € 11,79 / 0,75 l (2025, Galperino)

Der Lagrein aus der Classici-Linie ist ein klarer, geradliniger Sortentypus aus den warmen Tallagen des Unterlandes. Die Trauben stammen von sandigen, tiefgründigen Böden auf 280–300 m Höhe, werden von Hand gelesen und im Edelstahltank bei kontrollierter Temperatur vergoren. Der sechsmonatige Ausbau...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: 6 Monate großes Holzfass + Betonfass
Lage: Unterland, 280–300 m
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Gegrilltes Fleisch, Braten, Wild, pikanter Käse.

LAURIN Lagrein Merlot

Cuvee mit lagrein 14,0 % € 14,89 / 0,75 l (2023, Galperino)€ 18,10 / 0,75 l (2023, Pur Südtirol)

Der LAURIN aus der Vigneti-Linie vereint die Kraft des Lagrein mit der Samtigkeit des Merlot zu einer eigenständigen Cuvée. Die Lagrein-Trauben stammen aus dem Unterland (280–350 m), die Merlot-Trauben von den sanften Hügeln des Überetsch (bis 400 m). Nach Handlese und Maischegärung im Edelstahltank...

Rebsorte: 50 % Lagrein, 50 % Merlot
Klassifikation: Südtirol DOC
Ausbau: 18 Monate Barriques + großes Holzfass, 3 Monate Flaschenlager
Lage: Überetsch & Unterland, 280–400 m
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Gegrilltes Fleisch, Wild, pikanter Käse.

Besonderheiten

  • Historische Marke **H. Lun** (seit 1840) wird als eigenständige Weinlinie innerhalb der Kellerei Girlan weitergeführt.
  • 1960 spalteten sich 28 Mitglieder ab und gründeten die **Kellerei Schreckbichl** — beide Kellereien prägen seither die Girlaner Weinszene.
  • Vier Linien: **Classici** (Einstieg), **Vigneti** (Einzellagen), **Flora** (Premium), **Solisti** (Spitzenweine).

Kontakt

Adresse
St. Martinstraße 24, 39057 Girlan/Eppan
Website
www.girlan.it

Steckbrief

Rebfläche
ca. 230 ha
Kellermeister
Gerhard Kofler
Gegründet
1923

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