Glassierhof

📍 Neumarkt (Ortsteil Vill) · Gegründet 1663 · Familienbetrieb

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Geschichte und Familie

Wer den Glassierhof besucht, durchschreitet zunächst eine alte Steinmauer — und betritt damit ein Stück lebendige Südtiroler Geschichte. Denn genau diese Ringmauer gab dem Hof seinen Namen: Glassier, abgeleitet vom lateinischen clausura, ein eingegrenztes, geschütztes Grundstück. 1663 erbaut, steht der Hof im Ortsteil Vill oberhalb von Neumarkt, am Fuße des Naturparks Trudner Horn — und er steht dort seit neun Generationen in den Händen derselben Familie.

Heute führen Stefan Vaja und seine Frau Linda das Weingut. Die beiden verkörpern eine stille, beharrliche Art des Weinmachens, die wenig Aufhebens macht und dafür umso mehr Substanz in die Flasche bringt. Dass es überhaupt eigene Flaschen gibt, ist noch gar nicht so lange her: Bis 2007 lieferte der Glassierhof seine Trauben an die örtliche Kellereigenossenschaft. Dann wagte Stefan den Schritt in die Unabhängigkeit — weg vom anonymen Traubenlieferanten, hin zum Winzer, der die Qualität seines Weins selbst verantwortet. „Wahre Qualität beginnt im Weinberg" — dieses Credo bestimmt seitdem jeden Handgriff, vom Rebschnitt bis zum Korken.

Weingüter und Lagen

Die Weinberge des Glassierhofs liegen in einer Landschaft, die den Atem stocken lässt — und die Wein hervorbringt, seit Menschen hier siedeln. Am Fuße des Natura-2000-Gebiets Castelfeder, jener mächtigen Porphyr-Kuppe über dem Südtiroler Unterland, wurde schon in vorrömischer Zeit Weinbau betrieben. Plinius der Ältere erwähnte die Weine dieser Gegend bereits um 23 n. Chr. als geschätzte Tropfen im alten Rom. In diese Tradition reihen sich die 3,2 Hektar des Glassierhofs ein, verteilt auf mehrere charakterstarke Einzellagen:

Die Lage Glassier (220 m) ist das Herzstück — direkt am Hof gelegen, am Hangfuß von Castelfeder. Auf einem Gemisch aus Sandstein, Porphyr und Kalkmergel stehen hier Lagrein und Pinot Bianco, die beiden Hauptsorten des Weinguts, die jeweils 35 % der Gesamtfläche einnehmen. Allein der Lagrein bedeckt rund einen Hektar. Daneben stehen Vernatsch-Reben, die teilweise über 100 Jahre alt sind — stille Zeugen einer Weinbaukultur, die weit vor Stefan Vaja begann.

Auf dem Moränenhügel Learn, einem Relikt der letzten Eiszeit, thront eine der steilsten Lagen des Betriebs: vollständig nach Süden ausgerichtet, so steil, dass nur reine Handarbeit möglich ist. Oben wächst Cabernet Franc, am Fuß auf tonigem Grund der Merlot — beide vereinen sich zur gleichnamigen Cuvée „Learn", dem vielleicht ambitioniertesten Wein des Hauses.

Höher hinauf geht es mit dem Sauvignon in der Lage „Geboch" (auch „Montagna") auf 450–520 Metern, wo der reine Porphyr- und Kalksteinboden die Reben mit kühler Mineralität versorgt — spontan vergoren in großem Eichenholz, nicht in Stahl wie die anderen Weißen. Der Gewürztraminer steht noch höher, in der Lage „Sella" auf 500 Metern entlang der Etsch, auf vulkanischem Porphyr, und der Blauburgunder reift in der berühmten Lage Mazzon (Parzelle „Himalaya") — einer der besten Pinot-Noir-Adressen Italiens, wo er 14–16 Monate in französischer Barrique ausgebaut wird.

Rebsorten: Lagrein und Pinot Bianco (je 35 %), Cabernet Sauvignon und Merlot (je 12,5 %), Chardonnay (5 %), Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Blauburgunder, Vernatsch

Weinbau und Keller

Am Glassierhof ist Bio kein Label, sondern Haltung. Bereits seit 2005 wird nach biologisch-organischen Richtlinien gewirtschaftet (EU-Bio, EWG 2092/91) — seit über 20 Jahren kommt kein Gramm synthetischer Dünger in die Weinberge. Schwefel und Kupfer werden nur minimal und gezielt eingesetzt, auf Kelleradditiven wird vollständig verzichtet. Stattdessen richtet Stefan alle Arbeiten in Weinberg und Keller nach dem Mondkalender — ein Ansatz, der zwischen Tradition und Biodynamik liegt und dem Rhythmus der Natur Vorrang vor dem Kalender gibt.

Im Keller setzt er auf Spontangärung: Die Hefen kommen aus dem Weinberg, nicht aus der Packung. Die Vergärung erfolgt in offenen, temperaturkontrollierten Edelstahltanks, danach reifen die Weine in großen neutralen Eichenfässern (15 hl). Einzig der Chardonnay vergärt direkt in Barrique und reift bis zu 12 Monate im Holz — die bewusste Ausnahme, die die Regel bestätigt. Stefans Stil lässt sich am besten als minimale Intervention mit moderner Absicherung beschreiben: kein dogmatischer Naturwein, aber so nah an der Natur wie möglich. Schwefel wird nur in geringsten Mengen eingesetzt, und gezielte Temperaturkontrolle verhindert oxidative Fehler, ohne den Charakter der Weine zu verfälschen.

Der historische Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert — niedrige Decken, Steinböden, kühle Stille — ist nicht nur funktionaler Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort, an dem man die Jahrhunderte des Hofes förmlich spüren kann. Wer hier zur Verkostung eingeladen wird, versteht sofort, warum Stefan den Schritt in die Eigenständigkeit gewagt hat.

Produktion und Vertrieb

Ca. 15.000–20.000 Flaschen pro Jahr — bewusst klein, bewusst überschaubar. Das Sortiment umfasst 7 Weine: drei Weiße (Chardonnay, Weißburgunder, Sauvignon „Geboch"), Gewürztraminer sowie drei Rote (Lagrein Riserva „Glassier", Cabernet-Merlot „Learn", Blauburgunder). Dazu kommt zeitweise ein Vernatsch von den über hundertjährigen Reben — ein Wein mit historischem Tiefgang. Für den US-Markt produziert Stefan sogar eine eigene Cuvée: „Only For U.S." (Pinot Bianco, Chardonnay, Sauvignon, Gewürztraminer) — ein Zeichen dafür, wie weit der kleine Hof inzwischen strahlt.

Der Vertrieb läuft über Direktverkauf ab Hof, über WirWinzer als Online-Kanal direkt ab Weingut sowie über ausgewählte Händler in Deutschland, der Schweiz und Italien. In den USA importiert Mucci Imports die Weine. Dass die Qualität nicht unbemerkt bleibt, zeigen die Auszeichnungen: Slow Wine listete den Glassierhof sowohl 2021 als auch 2022, und die Zeitschrift Corriere del Vino bewertete die Cabernet-Merlot-Cuvée „Learn" mit 4,5 von 5 Sternen — Spitzenklasse für ein Weingut dieser Größe.

🍷 Lagrein-Weine (1)

Lagrein Riserva „Glassier" — Südtirol DOC

Lagrein riserva 12,5 % vol. € 19,00 / 0,75 l (Jg. 2021, ab Weingut via WirWinzer)€ 20,35 / 0,75 l (Jg. 2021, Karadarshop)

*„Intensiv, dunkel und von tiefer Struktur — ein ehrlicher Bio-Lagrein vom Fuße des Castelfeder."* Intensive dunkelrote bis violette Farbe, Aromen von **Veilchen und dunkler Schokolade**. Am Gaumen kraftvoll mit **ausbalancierten Tanninen**, gut strukturiert in Säure und Alkohol, langer, nachhaltige...

Rebsorte: Lagrein 100 %
Klassifikation: Südtirol DOC Riserva
Ausbau: 12 Monate großes Eichenfass (15 hl, malolaktisch), min. 12 Monate Flaschenreife
Lage: Glassier, Neumarkt/Vill, 220 m, Hangfuß Castelfeder
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Dunkles Fleisch, Wild, gereifter Käse

Besonderheiten

  • **EU-Bio seit 2005** — über 20 Jahre ohne synthetische Düngemittel
  • Erbaut 1663, **9 Generationen** Familienbesitz (Stefan & Linda Vaja)
  • Eigene Flaschenabfüllung erst **seit 2007** — zuvor Traubenlieferung an Genossenschaft
  • **35 % der Rebfläche** mit Lagrein bepflanzt (~1 ha) — klarer Lagrein-Fokus
  • **Spontangärung**, Ausbau in großen neutralen Eichenfässern, Arbeit nach **Mondkalender**
  • Minimaler Einsatz von Schwefel und Kupfer, keine Kelleradditiven
  • Angrenzend an **Naturpark Trudner Horn** und Natura-2000-Gebiet **Castelfeder**
  • Weinbau-Geschichte seit vorrömischer Zeit (Plinius, 23 n. Chr.)
  • Vernatsch von teils **über 100 Jahre alten Reben**
  • Mitglied der **Freien Weinbauern Südtirol** (FWS)
  • Historischer Weinkeller aus dem 17. Jahrhundert

Kontakt

Adresse
Villnerstraße 13 (Via Villa 13), 39044 Neumarkt/Egna, Italien
Website
www.glassier.it

Steckbrief

Rebfläche
3,2 ha
Produktion
ca. 15.000–20.000 Flaschen
Kellermeister
Stefan Vaja
Gegründet
1663
Besuch
Möglich ✓