Franz Haas
📍 Montan an der Weinstraße · Gegründet 1880 · Familienbetrieb
Geschichte und Familie
Es gibt Weingüter, die ihren Namen wie eine Marke führen. Beim Weingut Franz Haas ist der Name buchstäblich Programm — und das seit 1880. Denn hier herrscht eine Tradition, die in der Weinwelt ihresgleichen sucht: Der Betrieb wird immer an den erstgeborenen Sohn weitergegeben, und der heißt immer Franz. Acht Generationen lang, ohne Ausnahme. Was als kleines Familienweingut in Montan an der Südtiroler Weinstraße begann, ist heute eines der angesehensten Güter des Landes — mit Weinen, die man von New York bis Tokio kennt.
Dass es das Weingut in seiner heutigen Form gibt, ist alles andere als selbstverständlich. Franz Haas VI. musste bereits mit 17 Jahren die Verantwortung übernehmen und sich in einem Rechtsstreit gegen seinen eigenen Onkel durchsetzen, um das Familienerbe zu sichern. Was er mit seinen Händen aufbaute — den Keller, der heute noch besichtigt werden kann, und die ersten professionellen Strukturen der Weinproduktion — wurde zum Fundament, auf dem sein Sohn seine Vision verwirklichen konnte.
Franziskus „Franz" Haas VII. (1954–2022) war derjenige, der das Weingut zu dem machte, was es heute ist. Er übernahm 1986 von seinem Vater — einem nüchternen Zahlenmann, der die Infrastruktur des Betriebs geschaffen hatte — und brachte das, was sein Vater nicht hatte: Leidenschaft, Risikobereitschaft und einen unstillbaren Forschungsdrang. „Wissenschaft und Kalkül sind notwendig", sagte er, „aber Liebe, Hingabe und Entschlossenheit geben Charakter und Tiefe." Was folgte, war ein radikaler Umbau: Erforschung der Böden, Neuanpflanzungen, neue Erziehungssysteme — alles mit dem Ziel makelloser Qualität. Über 30 Jahre lang erforschte er den Pinot Nero wie besessen, vinifizierte 592 verschiedene Klone und wurde so zum „Vater des Südtiroler Blauburgunders" — ein Titel, den ihm die gesamte Weinwelt zusprach.
An seiner Seite stand Maria Luisa Manna, die 1990 als Quereinsteigerin aus der Gastronomie — ihre Familie führte ein Restaurant — zum Weingut kam. Sie brachte ein Gespür für Gastfreundschaft, Detailliebe und Kunstsinn mit, das den Betrieb nachhaltig prägen sollte. In einer Zeit, als die meisten Südtiroler Winzer noch ausschließlich nach Deutschland lieferten, erschloss sie den italienischen Markt — ein strategischer Wendepunkt. Ihre Begegnung mit dem Künstler Riccardo Schweizer (1925, Mezzano im Trentino) sollte die visuelle Identität des Weinguts für immer verändern: Als Glücksbringer schenkte sie Franz ein Etikettendesign von Schweizer für den Pinot Nero Jahrgang 1987, der 1990 auf den Markt kam. Schweizer war Maler, Bildhauer, Fotograf, Designer und Architekt — ein Universalkünstler, der mit Picasso, Chagall, Cocteau, Éluard und Le Corbusier zusammengearbeitet hatte. Seither zieren seine unverwechselbaren, farbenfrohen Kunstwerke jede Flasche Franz Haas. Nach über drei Jahrzehnten sind diese Etiketten „in Regalen von Weinhandlungen und auf Tischen in Restaurants unverwechselbar" — ein Markenzeichen, das man weltweit sofort erkennt. 1995 widmete Franz seiner Frau einen eigenen Wein: den Manna, eine weiße Cuvée, die bis heute zu den Flaggschiffen des Hauses zählt.
Am 13. Februar 2022 endete Franz' Weg abrupt: Ein Herzinfarkt beim Skifahren riss den 68-Jährigen aus dem Leben. Die Südtiroler Weinwelt verlor einen Visionär, einen Sucher, einen unermüdlichen Einzelkämpfer, der feste Verwurzelung in der Tradition mit experimentellem Geist und zukunftsgerichtetem Denken verband — und der sein Wissen und seine Begeisterung großzügig an jüngere Kollegen weitergab.
Fast unvorbereitet musste sein Sohn Franz Haas VIII., der seit 2010 im Betrieb arbeitete und den europäischen Außenhandel verantwortete, gemeinsam mit Schwester Sofia (seit 2013 im Export) und Mutter Maria Luisa die Führung übernehmen. Sie tun es in der Philosophie des Vaters — unterstützt von einem eingespielten Team, das Franz VII. über Jahrzehnte aufgebaut hatte: von knapp über drei Mitarbeitern im Jahr 1990 auf heute knapp 30. Schlüsselfiguren sind Angelika (seit 1990 die rechte Hand im Keller), Klaus (seit 2000 Leiter der Landwirtschaft), Lorena (seit 1993 im Büro und Agentennetz), Stefan (seit 2003 Lagerleitung) und Mara (seit 2008 Buchhaltung) — Menschen, die teilweise seit über 30 Jahren zum Betrieb gehören und ihn tragen wie eine zweite Familie.
Auch die nächste Generation hat bereits ihren Stempel hinterlassen. Tochter Sofia durfte sich als Kind ein Etikett wünschen und bekam vom Vater eine ganze Weinlinie: Die Sofi-Weine — Müller Thurgau, Schiava und Rosso — sind nach ihr benannt und verkörpern die frische, zugängliche Seite des Hauses. Die Tradition des Namens geht weiter, nun in der achten Generation.
Weingüter und Lagen
Was Franz Haas von den meisten Südtiroler Weingütern unterscheidet, ist die schiere Spannweite seiner Weinberge: von 220 bis 1.150 Metern Höhe — eine der größten Höhenamplituden aller Betriebe im Land. Über 55 Hektar Rebfläche — davon rund 28 Hektar im Eigenbesitz — verteilen sich auf die Gemeinden Montan, Neumarkt, Truden und Aldein, ergänzt durch gepachtete Flächen und Trauben von langjährigen Vertrauenswinzern.
Die Böden wechseln dramatisch mit der Höhe und Lage. In den tiefen, warmen Lagen dominieren Schwemmböden mit hohem Schotteranteil, durchsetzt von Tonmergel. In den mittleren Höhen treffen tonhaltige Böden auf sandige, kalkhaltige oder kiesige Erde — oft unmittelbar nebeneinander, Parzelle an Parzelle. In den extremen Höhenlagen überwiegt verwitterter Porphyr, ergänzt von Dolomitgestein, das den Weinen eine ausgeprägte mineralische Signatur verleiht.
Diese Höhen waren Franz Haas' große Entdeckung. Was das Weingut heute unter dem Namen „Viti in Vetta" (Reben auf dem Gipfel) zusammenfasst, begann vor rund 25 Jahren als Reaktion auf eine schleichende Krise: Der Klimawandel ließ nicht nur die Gletscher schmelzen, sondern veränderte auch das Mikroklima im Tal fundamental — steigende Temperaturen, geringere Tag-Nacht-Unterschiede, frühere Reife. Statt zu resignieren, ging Franz in die Höhe. Dort oben fand er Bedingungen, wie sie im Tal vor hundert Jahren geherrscht hatten: intensives Licht mit optimalen Strahlungswinkeln, kühle Nächte, unberührte Natur ohne Verschmutzung. Und er entdeckte, was diese Extremlagen mit den Trauben machten: mehr Aromen, mehr Säure, mehr Struktur, mehr Würze und Mineralität — und vor allem: mehr Langlebigkeit. „Heroischer Weinbau" nennt das Weingut diese Arbeit — manchmal kompliziert, aber mit belohnenden Ergebnissen.
Das Flaggschiff dieser Höhenstrategie ist die Einzellage Pönkler auf 750 Metern — eine der höchsten Pinot-Nero-Lagen Europas. Hier stehen seit 2007 ausgewählte französische Klone, die sich für Höhenlagen als besonders geeignet erwiesen haben, auf verwittertem Porphyr in Süd- bis Südwestausrichtung. Der Ertrag ist extrem niedrig: nur 25–30 hl/ha. Das Ergebnis sind gerade einmal 2.500–3.500 Flaschen pro Jahr — konzentriert, reif, mit enormem Reifungspotenzial.
Die Lagen für den Pinot Nero Schweizer liegen zwischen 350 und 700 Metern Höhe — eine breite Spanne, die Franz über Jahre hinweg nach mikroklimatischer Eignung selektiert hat. Die Rebstockdichte ist mit 8.000 bis 12.500 Stöcken pro Hektar außergewöhnlich hoch — betriebsinterne Klonselektion und niedrige Erträge sichern die Qualität.
Die Lagrein-Trauben dagegen brauchen Wärme und stehen in den sonnenverwöhnten Süd- und Südwestlagen bei Neumarkt/Egna auf 220–250 Metern, auf warmen Schwemmböden mit hohem Schotteranteil — genau dort, wo die spätreifende autochthone Rebsorte das Mikroklima findet, das sie zur vollen Reife braucht.
Rebsorten: Lagrein, Blauburgunder (Pinot Nero), Vernatsch (Schiava), Pinot Bianco, Pinot Grigio, Gewürztraminer, Müller Thurgau, Sauvignon Blanc, Riesling, Kerner, Chardonnay, Goldmuskateller, Rosenmuskateller, Petit Manseng, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Petit Verdot
Weinbau und Keller
Franz Haas VII. war kein Dogmatiker, aber ein Perfektionist — und diesen Geist pflegt das Weingut bis heute. Statt auf Schlagworte wie „Bio" oder „Natur" setzt man auf „gezielten und naturbasierten" Pflanzenschutz: ausschließlich organische Materialien im Weinberg, um das lebende Ökosystem zu erhalten. Zwischen den Reben wächst das Gras hoch, Blumen blühen, Insekten finden ihren Lebensraum. Das Ergebnis: Weinberge, die aussehen wie Wiesen mit Reben darin — lebendig, biodivers, gesund.
Franz' Lebensthema war der Pinot Nero. Über 30 Jahre Forschung, 592 verschiedene Klone vinifiziert, unzählige Versuche mit Anbau, Vinifizierung und Ausbau — eine akribische Arbeit, bei der Erforschung der Böden, Neuanpflanzungen und neue Erziehungssysteme Hand in Hand gingen. Dabei entstanden nicht nur der legendäre „Schweizer"-Pinot-Nero und der Spitzenwein Pönkler, sondern auch eine Grundüberzeugung: dass Höhe die Zukunft des Weinbaus ist.
Eine weitere mutige, zunächst kontroverse Entscheidung war der konsequente Umstieg auf Schraubverschluss statt Naturkorken — was das Weingut unter dem Motto „Giro di Vite" (Drehverschluss) als Philosophie kommuniziert. „Der perfekte Kreis", wie Franz es nannte: nach vierzig Jahren mit vielen Fragen und zwanzig Jahren mit zahlreichen Experimenten die Überzeugung, dass der Drehverschluss den Geschmack bewahrt, eine perfekte Dichtung bietet und sogar die Lagerfähigkeit verbessert — für alle Weintypen, von der Sofi-Linie bis zum Pönkler. Kein Marketing-Gag, sondern das Ergebnis lebenslanger Forschung, bestätigt durch renommierte Weinexperten und unterstützt von Persönlichkeiten wie Jamie Oliver.
Im Keller ist die Handschrift differenziert und weinspezifisch. Die Rotweine werden in offenen Behältern vergoren — die Maische wird schonend und nur bei Bedarf untergestoßen, um übermäßige Gerbstoffextraktion zu vermeiden. Der Lagrein reift 10–12 Monate im Tonneau (größere Eichenfässer) mit biologischem Säureabbau, gefolgt von mehrmonatiger Flaschenreife. Der Pinot Nero Schweizer erhält 12 Monate Barrique-Ausbau, der Pönkler sogar 15 Monate — beide mit anschließender langer Flaschenreifung. Der Istante, die Bordeaux-Cuvée, verbringt 18 Monate im Barrique plus ein Jahr auf der Flasche. Bei den Weißweinen setzt man überwiegend auf Edelstahl, mit gezielten Barrique-Anteilen: Beim Manna wird der Chardonnay vollständig im Barrique vergoren, der Sauvignon teilweise, während Riesling, Gewürztraminer und Kerner in Edelstahl gären — nach der Vermählung reift die Cuvée zehn Monate auf der Feinhefe. Spontanvergärung kommt zum Einsatz, wo möglich.
Hinter dem Weingut steht ein Team, das über Jahrzehnte gewachsen ist — von knapp über drei Personen 1990 auf heute knapp 30 Mitarbeiter. Angelika Gabrielli, seit 1990 die rechte Hand im Keller und eine „tragende Säule" des Betriebs, zusammen mit Edoardo (seit 2015 für Keller, Lager und Abfüllung). Klaus, seit 2000 Leiter der Landwirtschaft, koordiniert die über mehrere Gemeinden verstreuten Weinberge mit einem Team aus sieben Mitarbeitern. Sie alle sorgen dafür, dass der Betrieb auch nach Franz VII. auf dem Kurs bleibt, den er über Jahrzehnte geprägt hat: „Feste Verwurzelung in der Tradition, jedoch mit innovativem und experimentellem Geist."
Produktion und Vertrieb
Ca. 300.000 Flaschen pro Jahr, aufgeteilt auf 19 Weine und einen Grappa — ein Sortiment, das die ganze Bandbreite südtiroler Weinkultur abdeckt und zugleich unverkennbar die Handschrift eines Hauses trägt.
Die Sofi-Linie — benannt nach Tochter Sofia, die sich als Kind ein eigenes Etikett wünschte — bildet den zugänglichen Einstieg: Müller Thurgau, Schiava und Rosso, frisch, unkompliziert, typisch für ihr Terroir. Darüber rangiert die Schweizer-Linie mit den Einzellagenweinen: Pinot Bianco Lepus, Gewürztraminer, Sauvignon, Pinot Grigio, Lagrein, Pinot Nero und Pinot Nero Schweizer — jeder mit einem der unverwechselbaren Schweizer-Etiketten. An der Spitze stehen die Crus: der Pönkler (Pinot Nero, 2.500–3.500 Flaschen — der seltenste Wein des Hauses), der Manna (weiße Fünf-Rebsorten-Cuvée, 50.000 Flaschen, Maria Luisa gewidmet), der Istante (Bordeaux-Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Petit Verdot, Cabernet Franc und Merlot, 8.000 Flaschen), der Moscato Rosa (12.000–15.000 Flaschen, ein aromatischer Rotwein von seltener Eleganz) und der Petit Manseng (Süßwein aus einer französischen Rarität). Ergänzt wird das Sortiment durch den Pas Dosé (Schaumwein) und eine Grappa di Moscato Rosa. Der Lagrein kommt auf 15.000–20.000 Flaschen pro Jahr.
Den Vertrieb hat Andi (seit 2010) grundlegend neu ausgerichtet: Lag der Anteil italienischer Verkäufe einst bei 95 %, macht der internationale Export heute rund 75 % aus. Schlüsselpartner ist Liberty Wines in Großbritannien. Weltweit ist Franz Haas über ein dichtes Händlernetz vertreten: Meraner Weinhaus, Superiore, Bremer Weinkolleg, Vinello, WirWinzer, Weinfinger, Vicampo (DE), Callmewine, Vino.com (IT) und viele mehr. Der Direktverkauf am Weingut — Villnerstraße 6, Montan — hat feste Öffnungszeiten und wird von einem eigenen Team um Manfred (Kundenkommunikation) und den Shop-Kontakt betreut.
🍷 Lagrein-Weine (1)
Lagrein — Südtirol DOC
*„Kraft und Eleganz in einer Flasche — ein Lagrein, der Finesse über Schwere stellt."* Die Trauben stammen von den sonnenverwöhnten Schwemmböden bei Neumarkt/Egna, wo die spätreifende autochthone Rebsorte das warme Mikroklima in den Süd- und Südwestlagen auf 220–250 m braucht, um ihre volle Reife zu...
Besonderheiten
- • **Seit 1880** — 8 Generationen, Erstgeborener heißt immer „Franz"
- • **Franz Haas VII. (1954–2022)** — „Vater des Südtiroler Blauburgunders", † 13.02.2022
- • Heute geführt von **Franz VIII., Sofia und Maria Luisa**
- • Ca. **55 Hektar** Rebfläche, davon Eigenbesitz + Pacht + Zukauf — eines der größeren Privatweingüter Südtirols
- • Höhenspanne der Weinberge: **220–1.150 m** — eine der größten Südtirols
- • **592 Pinot-Nero-Klone** vinifiziert — über 30 Jahre Blauburgunder-Forschung
- • Pionier der **Schraubverschluss-Philosophie** in Südtirol (nach 40 Jahren Forschung)
- • Etiketten von **Riccardo Schweizer** (1925, Mezzano) — Künstler im Umfeld von Picasso, Chagall und Cocteau
- • **19 Weine** im Sortiment: von Sofi (Einstieg) bis Pönkler (Spitze)
- • Mitglied der **Südtiroler Weinstraße**
- • Klimawandel-Strategie: gezielte Expansion in Höhenlagen seit 2000
- • Naturbasierter Pflanzenschutz, hohe Biodiversität in den Weinbergen
- • Über 25 Mitarbeiter — Familienbetrieb mit professioneller Struktur
Kontakt
- Adresse
- Villnerstraße 6, 39040 Montan (BZ), Italien
- Telefon
- +39 0471 812 280 -
- info@franz-haas.it
- Website
- www.franz-haas.it
Steckbrief
- Rebfläche
- ca. 55 ha
- Produktion
- ca. 300.000 Flaschen
- Kellermeister
- Franz Haas VIII.
- Gegründet
- 1880
- Besuch
- Möglich ✓