Castel Sallegg

📍 Kaltern · Gegründet 1851 · Hofkellerei

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„Adel verpflichtet. Genuss verführt." — Das Motto von Castel Sallegg verdichtet eine einzigartige Verbindung: europäische Adelsgeschichte, die auf ein Weinglas trifft. Das gräfliche Weingut in Kaltern ist kein Museum — es ist ein lebendiger Ort, an dem ein 1000-jähriger Keller, habsburgisches Erbe und die Energie einer neuen Generation aufeinandertreffen.

Geschichte und Familie

Die Geschichte von Castel Sallegg liest sich wie ein Kapitel europäischer Dynastiegeschichte. Das Schloss selbst geht auf das 16. Jahrhundert zurück, erbaut von den Herren von Sall — ihnen verdankt es seinen Namen. Über die Jahrhunderte wechselten die Besitzer: die Familien von Zinn, die Edlen von Zill, die Sepp von Seppenburg — unter ihnen der Jesuitenmissionar Anton Sepp (1655–1733) — und die Barone Unterrichter von Rechtenthal.

Den entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 1851: Erzherzog Rainer von Österreich (1783–1853), Vizekönig des Lombardisch-Venetischen Königreichs und Sohn Kaiser Leopolds II., erwarb das Schloss. Seine Frau Elisabetta, Prinzessin von Savoyen-Carignan, brachte die Verbindung zum Haus Savoyen in die Familie. Der über 1.000-jährige Stammbaum verbindet das Haus seither mit den Habsburgern und dem Haus Savoyen — einst waren sogar Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sissi zu Gast.

In den folgenden Generationen führt die Erbfolge über Erzherzog Heinrich (1828–1891) zu Enrico Lucchesi Palli (1861–1924), Fürst von Campofranco, der 1892 die Moscato-Rosa-Rebe als Hochzeitsgeschenk aus Sizilien nach Kaltern brachte — gepflanzt im wärmsten Boden am Kalterer See. Seine Frau Maria Raineria (1872–1936) gab dem Schloss um 1900 sein heutiges Gesicht: Der Wiener Architekt Anton Weber erweiterte den Südflügel und schuf das Ensemble mit Innenhof und Schlosspark, das noch heute den Besucher empfängt.

Über Siegfried Graf von Kuenburg (1886–1968) und Eberhard Graf von Kuenburg (1925–2020) gelangte das Anwesen in die Hände des heutigen Eigentümers Georg Graf von Kuenburg, der es gemeinsam mit seiner Frau Charlotte Noé Edle von Nordberg führt. Georg sieht sich als „momentaner Verwalter eines großen Familienerbes" und „denkt in Generationen, nicht in Momenten". Das Streben nach Perfektion und die tiefe Verbundenheit mit der Natur bestimmen seine Philosophie.

Die Geschäftsführung liegt bei Ulrike Platter, die in einer Kalterer Bauernfamilie aufwuchs — ihr Onkel war Winzer. Als Sommelière schlägt sie die Brücke zwischen aristokratischer Tradition und Südtiroler Bodenständigkeit: „Das Ziel ist die Herstellung von hochqualitativen Weinen in Harmonie mit unserem Terroir."

Weingüter und Lagen

Castel Sallegg bewirtschaftet 30 Hektar Rebfläche auf drei historischen Weinhöfen, deren Lagen zwischen 230 und 550 Metern Höhe grundverschiedene Terroirs bieten:

Preyhof (550 m ü.d.M.) — Der höchste Weinhof, in der Nähe des Schlosses. Humoser und lehmiger Kalkschotterboden. Der kühle Abendwind vom Mendelstock sorgt für Frische und Säurespiel. Hier gedeihen Weiß- und Blauburgunder. Der erste geschlossene Weinhof Kalterns, mit charakteristischer Trienter Marmor-Umrandung — heute auch begehrter Veranstaltungsort.

Leisenhof (mittlere Höhe) — Unterhalb des Schlosses, mit Blick auf den Kalterer See. Tiefgründiger, humoser, lehmiger Kalkschotterboden. Der Wind vom Mendelgebirge garantiert lebendige Säure. Hier wachsen Sauvignon Blanc, Chardonnay und Gewürztraminer. Der zweite geschlossene Weinhof beherbergt heute Vineria, Gästehaus und ist Ausgangspunkt für Verkostungen.

Seehof (230 m ü.d.M.) — Die tiefste und wärmste Lage, amphitheatralisch zum Kalterer See ansteigend. Sandig-lehmiger Kalkschotterboden mit hohem Humusgehalt. Hier stehen Vernatsch, Merlot, Cabernet Sauvignon, Chardonnay — und der Lagrein. Die unmittelbare Nähe zum wärmsten See der Alpen schafft ideale Bedingungen für wärmeliebende Sorten. Besonderheit: Die Moscato Rosa wird hier seit 1892 ununterbrochen kultiviert — eine der seltensten Rebsorten der Welt, maximal 1.000 Flaschen pro Jahrgang, in manchen Jahren gar keine Abfüllung.

Vigna Bischofsleiten — Die prämierte Einzellage: ein amphitheatralischer Weinberg mit alten Vernatsch-Rebstöcken, zum See ausgerichtet. Der Name erinnert daran, dass die Lage vor rund 1.000 Jahren den Bischöfen von Trient gehörte. Sie trägt die geschützte „Vigna"-Bezeichnung und liefert den Spitzenwein der Imperialis-Linie.

Weinbau und Keller

Kellermeister Matthias Hauser, ausgebildet an der Hochschule Geisenheim, kam mit 27 Jahren zu Castel Sallegg und brachte bereits erhebliche praktische Erfahrung mit. Er verbindet technisches Wissen mit Sensorik — „mit dem, was er sieht, schmeckt, riecht." Sein Ziel: charakterstarke Weine als „glasklarer Ausdruck unseres Terroirs" — fruchtig und frisch, mit feiner Säure und Langlebigkeit durch ausreichende Reifungszeit.

Der 1000-jährige Schlosskeller wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch einen Zufall wiederentdeckt: Eine Ziegelwand stürzte ein und gab ein uraltes Gewölbe frei — offensichtlich ein historischer Weinkeller. Er erstreckt sich über drei Stockwerke, bis zu 11 Meter unter dem Schloss. Eine Weinpresse ist hier erstmals 1746 urkundlich erwähnt. Die alten Schlossmauern sorgen für optimale Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Trauben, Maische und Wein werden nach dem Schwerkraftprinzip bewegt. Zwei separate Barriquekeller, ein Gärkeller und ein Raritätenkeller vervollständigen das Kellerensemble.

Das Sortiment von 17 Weinen gliedert sich in drei Qualitätsstufen:

  • Nobilis — Zugängliche, sortentypische Weine für den unkomplizierten Genuss. Hier findet sich auch der Lagrein.
  • Serenis — Edle, raffinierte Lagenweine mit längerem Ausbau.
  • Imperialis — Die Spitze: Einzellagen-Weine und Raritäten in kompromissloser Qualität. Flaggschiff: Bischofsleiten Kalterersee.

Castel Sallegg produziert rund 130.000 Flaschen jährlich.

Nachhaltigkeit

Das Denken in Generationen, nicht in Momenten, prägt auch den Nachhaltigkeitsansatz. Castel Sallegg war 2022 die erste Kellerei in Südtirol, die ihre Weine in eine 100 % recycelte Leichtglasflasche (420 g, PCR-Glas) füllte — als Pionier in ganz Norditalien. Die Innovation reduziert den CO₂-Ausstoß pro Flasche signifikant.

Am Leisenhof entstand das Projekt „Compost di Vino" — eine Kompostthermie, die als erste ihrer Art in Südtirol aus Traubenkämmen und holzigen Pflanzenteilen nachhaltige Wärme erzeugt. Ein Bioreaktor versorgt Vineria, Gästezimmer, Pool und Sauna — der entstehende Kompost pflegt die Weinberge. Entwickelt wurde das Verfahren in Zusammenarbeit mit Biologik Systems, Eurac Research, Universität Bozen, Laimburg und dem Südtiroler Bauernbund. Dafür erhielt Castel Sallegg den Hotel Sustainability Award 2025 (Kategorie „Better Together").

🍷 Lagrein-Weine (1)

Südtiroler Lagrein DOC

Lagrein classico 13,0 % vol. € 18,00 / 0,75 l (Jg. 2023, ab Weingut)€ 17,50 / 0,75 l (Jg. 2022, ab Weingut)€ 17,50 / 0,75 l (Jg. 2021, ab Weingut)

*„Ein Südtiroler durch und durch"* — der Lagrein ist Südtirols älteste autochthone Rebsorte, verwandt mit Syrah und Teroldego. Der wärmeliebende Lagrein vom Seehof entwickelt eine einladende, klare Nase nach Heidelbeeren und Brombeeren, nach Veilchen und einem Hauch von Vanille und Tabakblättern. Se...

Rebsorte: 100 % Lagrein (autochthone Sorte aus Südtirol)
Klassifikation: Südtiroler Lagrein DOC
Ausbau: Handlese und Traubenselektion, Abbeeren, Maischegärung bei kontrollierter Temperatur im Edelstahltank, biologischer Säureabbau, 12 Monate Reifung in Edelstahl und Holzfass, Assemblage 2–3 Monate vor Füllung, 6 Monate Flaschenreife
Lage: Kaltern, Seehof, 230 m ü.d.M.
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Würzige Pastagerichte und Risotti, gekochtes, gegartes und gebratenes Fleisch, Schafskäse.

Besonderheiten

  • **Seit 1851** im Besitz der Kuenburg-Familie — ein über 1.000-jähriger Stammbaum verbindet das Haus mit den Habsburgern und dem Haus Savoyen
  • **Schloss aus dem 16. Jh.**, erbaut von den Herren von Sall — um 1900 durch den Wiener Architekten Anton Weber zum heutigen Ensemble mit Innenhof und Park umgebaut
  • **1000-jähriger Schlosskeller** über drei Stockwerke, 11 m unter dem Schloss, Schwerkraftprinzip — Ende des 19. Jh. durch einstürzende Ziegelwand wiederentdeckt, Weinpresse erstmals 1746 urkundlich erwähnt
  • **Moscato Rosa seit 1892** — von Fürst Enrico Lucchesi Palli als Hochzeitsgeschenk aus Sizilien nach Kaltern gebracht, maximal 1.000 Flaschen pro Jahrgang
  • **30 Hektar** auf drei historischen Weinhöfen (Preyhof 550 m, Leisenhof, Seehof 230 m) — ca. 130.000 Flaschen jährlich
  • **Vigna Bischofsleiten** — prämierte Einzellage, einst im Besitz der Bischöfe von Trient, geschützte „Vigna"-Bezeichnung
  • **Matthias Hauser** — Absolvent der Hochschule Geisenheim, kam mit 27 Jahren zum Weingut
  • **Erste Kellerei Südtirols** mit 100 % recycelter Leichtglasflasche (420 g, seit 2022)
  • **Kompostthermie „Compost di Vino"** — erstes Verfahren dieser Art in Südtirol, Hotel Sustainability Award 2025
  • **17 Weine** in drei Linien: Nobilis (zugänglich), Serenis (raffiniert), Imperialis (Spitze)
  • **Gästehaus, Vineria und Eventlocation:** Castel Sallegg Suites am Leisenhof, Preyhof als Veranstaltungsort, Wine Shop Palais Campofranco in Bozen
  • **Nussleiten Merlot Riserva** — mehrfach Tre Bicchieri im Gambero Rosso

Steckbrief

Rebfläche
30 ha
Produktion
ca. 130.000 Flaschen
Kellermeister
Matthias Hauser
Gegründet
1851
Besuch
Möglich ✓

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