Baron Di Pauli

📍 Kaltern · Gegründet 1999 · Genossenschaft

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Von Carano nach Kaltern — eine Adelsfamilie und der Wein

Die Wurzeln der Familie Di Pauli liegen im malerischen Carano im Fleimstal (Trentino). Im 18. Jahrhundert siedelte die Familie nach Kaltern über und stieg rasch in die wirtschaftliche und politische Elite Tirols auf. Anton Baron Di Pauli (1761–1830) erwarb besondere Verdienste um die Weinwirtschaft der Region. Dank der guten Beziehungen zum Wiener Hof erhielt das Weingut den begehrten Titel „K&K Hoflieferant" — eine Auszeichnung, die bis heute den Geist des Hauses prägt. Die Weine der Di Paulis wurden nicht nur am Kaiserhof in Wien, sondern auch am Zarenhof in St. Petersburg getrunken — Baron Di Pauli war eines der ersten Südtiroler Weingüter mit internationalem Exportgeschäft bis nach Russland. In Wien betrieb die Familie zudem verschiedene Gasthäuser, darunter die „Paulusstube" — die älteste Stadtwein-Taverne Wiens, die noch heute existiert.

Zwei Generationen später setzte Josef Maria Valentin Freiherr Di Pauli von Treuheim (1844–1905) die Familientradition in Politik und Weinbau fort. Josef war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des späten Habsburgerreichs: 1866 Freiwilliger im Tiroler Landesschützenbataillon, 1870 Leutnant in der päpstlichen Armee bei der Verteidigung Roms, mehrfach Abgeordneter im Reichsrat, 1895 Gründer der Katholischen Volkspartei und schließlich 1898–1899 k.k. Handelsminister im Ministerium Thun. 1880 erwarb er das Anwesen des Fürsten Giovanelli in Kaltern und legte damit den Grundstein für das heutige Weingut. So bedeutend war der Einfluss der Di Paulis, dass die Familie im 19. Jahrhundert für 25 Jahre den gesamten Kalterer See besaß — bis dieser 1901 an die Gemeinde verkauft wurde. Josef wurde in der Familiengruft in Kaltern beigesetzt.

Zwei Höfe, zwei Welten

Das Weingut Baron Di Pauli besteht aus zwei Lagen, die unterschiedlicher kaum sein könnten:

Arzenhof (ca. 10 ha) — Einst erbaut von den Grafen d'Arsio e Vasio, im 19. Jahrhundert in den Besitz der Familie Di Pauli übergegangen. Der Arzenhof ist Kalterns größter Weinberg: ein terrassierter Moränenschuttkegel am Westufer des Kalterer Sees, auf 250 bis 400 Metern Höhe mit Südost-Exposition. Die Böden aus Kalkschotter, Porphyr und Quarzsand mit Lehm schaffen zusammen mit dem mediterranen Mikroklima — einem der wärmsten Weinbaugebiete Südtirols — ideale Bedingungen für kraftvolle Rotweine. Hier wachsen Lagrein, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Vernatsch; hier reifen die Trauben für den legendären Carano und den Arzio.

Höfl unterm Stein (ca. 4,5 ha) — Oberhalb von Tramin (Söll) gelegen, auf 480 bis 550 Metern, bieten die kräftigen, lehmigen Kalkschotterböden an den Südosthängen ganz andere Voraussetzungen: kühler, höher, mineralischer. Hier wachsen Gewürztraminer, Riesling, Sauvignon Blanc und Weißburgunder — und hier entstehen der Exil und der Enosi.

Zusammen bewirtschaftet Baron Di Pauli rund 14 Hektar Rebfläche — für Südtiroler Verhältnisse ein stattliches Weingut, das in seiner Zweiteilung ein ungewöhnlich breites Terroir-Spektrum abdeckt.

Neuanfang 1999

Über Jahrzehnte hinweg wurden die Trauben des Arzenhofs und des Höfl an die örtliche Genossenschaft geliefert. 1998 trat die Familie als Mitglied der Kellerei Kaltern bei — und fasste einen Jahr später einen mutigen Entschluss: Die 300-jährige Weinbautradition sollte wiederbelebt werden, nicht mit Massenware, sondern mit eigenen Spitzenweinen im absoluten Top-Segment. In Zusammenarbeit mit der Kellerei Kaltern entstand ein Prestigeprojekt, bei dem die Kellerei die technische Infrastruktur und die Erfahrung des Kellerteams einbringt, während die Familie Di Pauli die Weinberge, die Geschichte und die Vision beisteuert. Kellermeister Thomas Scarizuola und Önologe Andrea Moser vinifizieren die Weine; Gutsverwalter Carl Philipp Baron von Hohenbühel koordiniert den Betrieb.

Philosophie: Keine Kompromisse

„Im Weingut Baron Di Pauli wird die Vergangenheit bewahrt und die Zukunft gestaltet."

Das Credo ist unmissverständlich: Keine Kompromisse auf dem Weg zum Charakterwein. Die Erträge im Weinberg werden auf ein Minimum reduziert, damit die Rebe ihre ganze Kraft auf wenige Trauben konzentrieren kann. Handlese bei optimaler Reife. Geduldiges Abwarten — kein Wein wird freigegeben, bevor er seine innere Balance und Trinkbarkeit erreicht hat. Es geht nicht um Moden oder Trends, sondern um Weine, die ihren Ort erzählen. „Hinter jedem Wein steht eine Geschichte, die es zu erzählen gilt."

Konsequent ist auch der Weg in Richtung Nachhaltigkeit: Baron Di Pauli ist FAIR'N GREEN zertifiziert und verpflichtet sich damit zu einer Weinwirtschaft, die Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung verbindet.

Vier Weine, vier Geschichten

Baron Di Pauli konzentriert sich bewusst auf vier Kernweine — jeder einzelne ein Statement, jeder Name erzählt von Herkunft und Identität:

  • Carano (Lagrein Riserva) — „Bodenständige Weltoffenheit." Man muss wissen, wo man herkommt, um neue Wege beschreiten zu können. Benannt nach dem Ursprungsort der Familie im Fleimstal. Der autochthone Lagrein, sonst gern rustikal, zeigt sich hier mit mondäner Eleganz. 9.000 Flaschen, nur vom Arzenhof.
  • Arzio (Merlot-Cabernet Riserva) — Die internationale Bordeaux-Cuvée (50 % Merlot, 25 % Cabernet Sauvignon, 25 % Cabernet Franc), benannt nach dem historischen Arzenhof der Grafen d'Arsio e Vasio. Vier Wochen Maischekontakt, 18 Monate Barrique.
  • Exil (Gewürztraminer) — „Ein Kind des Nordens mit unbändiger Sehnsucht nach Exotik." Wie Marco Polo, der gen Osten reist: überschwänglich, aromatisch und würzig, aber mit trockener Nüchternheit. Vom Höfl unterm Stein (500 m). Dazu die Riserva-Variante Exilissi — griechisch für die längere Mazeration, die dem Wein zusätzliche Tiefe verleiht.
  • Enosi (Riesling-Sauvignon Blanc IGT) — Griechisch ἕνωσις (hénōsis) = „Vereinigung": Zwei Rebsorten-Charaktere (60 % Riesling, 40 % Sauvignon Blanc) finden im Enosi zusammen. Getrennt vinifiziert — Riesling im Stahltank, Sauvignon Blanc nach 12-stündiger Mazeration —, dann vereint zu einer ungewöhnlichen weißen Cuvée vom Höfl.

Weniger ist mehr — und genau das macht Baron Di Pauli zu einem der eigenständigsten Weingüter Südtirols.

🍷 Lagrein-Weine (1)

Carano Lagrein Riserva

Lagrein riserva 13,5 % vol. € 32,50 / 0,75 l (Jg. 2021, ab Weingut/Kellerei Kaltern)

*„Bodenständige Weltoffenheit"* — Man muss wissen, wo man herkommt, um neue Wege beschreiten zu können. Der Name Carano erinnert an den heimatlichen Ursprung der Familie Di Pauli im Fleimstal. Die autochthone und manchmal recht rustikale Sorte Lagrein präsentiert sich in diesem Wein mit weltoffenem...

Rebsorte: 100 % Lagrein
Klassifikation: Südtirol – Alto Adige Lagrein Riserva DOC
Ausbau: Gärung im Holzgärbottich, 20-tägige Maischemazeration, spontaner Säureabbau Mitte November, 16 Monate Barrique (30 % neu)
Lage: Vigna Arzenhof, Kanzel – 250–390 m ü.d.M., SO-Exposition
Trinktemperatur: 16–18 °C
Passt zu: Geschmortes und gegrilltes rotes Fleisch, Wildgerichte, Lamm, kräftiger Rinderragout, gereifter Hartkäse, Pilzgerichte.

Besonderheiten

  • **Über 300 Jahre Familienweinbautradition** — eine der ältesten Adelsfamilien im Südtiroler Weinbau
  • **K&K Hoflieferant** — Weine wurden am Kaiserhof Wien und am Zarenhof St. Petersburg getrunken
  • **Paulusstube in Wien** — älteste Stadtwein-Taverne Wiens, im Besitz der Familie, existiert noch heute
  • **Josef Freiherr Di Pauli (1844–1905)** — k.k. Handelsminister, Leutnant der päpstlichen Armee (1870), Gründer der Katholischen Volkspartei; erwarb 1880 das Giovanelli-Anwesen in Kaltern
  • **Familie besaß 25 Jahre lang den gesamten Kalterer See** (bis 1901)
  • **Arzenhof**: Kalterns größter Weinberg — terrassierter Moränenschuttkegel, erbaut von den Grafen d'Arsio e Vasio
  • **14 Hektar** auf zwei komplementären Lagen (Arzenhof ~10 ha, 250–400 m + Höfl unterm Stein ~4,5 ha, 480–550 m)
  • **Nur 4 Kernweine** — radikale Fokussierung auf Qualität statt Quantität; jeder Name erzählt eine Geschichte (Carano, Arzio, Exil, Enosi)
  • **FAIR'N GREEN zertifiziert** — Nachhaltigkeitszertifizierung
  • Prestigeprojekt in Zusammenarbeit mit **Kellerei Kaltern** seit 1999 (Kellermeister Thomas Scarizuola, Önologe Andrea Moser, Gutsverwalter Carl Philipp Baron von Hohenbühel)

Steckbrief

Rebfläche
14 ha
Produktion
ca. 9.000 Fl. (Carano)
Kellermeister
Thomas Scarizuola
Gegründet
1999
Besuch
Möglich ✓